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Das Haus frischer aufstellen

Museum Eckernförde unter neuer Leitung Das Haus frischer aufstellen

Am 1. März hat Dorothee Bieske ihr neues Büro als Leiterin des Museums Eckernförde bezogen, das sie nun Stück für Stück in Besitz nimmt. Sehr unterschiedliche Aufgaben warten auf 54-jährige Kieler Kunsthistorikerin.

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Dorothee Bieske - Museum Eckernfoerde

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Eckernförde. Der schöne Frühlingsstrauß auf der Fensterbank leuchtet tapfer gegen den trüben Regentag an. Am 1. März hat Dorothee Bieske ihr neues Büro als Leiterin des Museums Eckernförde bezogen, das sie nun Stück für Stück in Besitz nimmt. Viel Zeit zum Luftholen war nicht zwischen ihrer vorherigen Aufgabe als stellvertretende Direktorin des Flensburger Museumsbergs, denn dort wurde sie bis zuletzt gebraucht. So sei es eine knappe Übergabe mit ihrem Vorgänger Uwe Beitz gewesen, sagt die 54-jährige Kielerin ohne jeden bedauernden Unterton, denn das ist gar nicht ihre Art. Sie möchte lieber darüber sprechen, was sie gereizt an der neuen Aufgabe. Denn erklärungsbedürftig ist es schon, wenn man die erfüllende Arbeit als Kuratorin an einem so gut aufgestellten Haus wie dem Museumsberg gegen ein erheblich kleineres Regionalmuseum eintauscht, dem auch das Stadtarchiv angeschlossen ist. Nach 15 Jahren in Flensburg, wo sie nach dem Kunstgeschichtsstudium und Promotion in Kiel volontiert hatte, sei das einfach die Chance gewesen, noch etwas anderes zu versuchen, sagt sie mit sympathischer Offenheit.

 Zum Glück nicht als Einzelkämpferin. Mit Ralf-Peter Schröder steht ihr ein Restaurator zur Seite, der sich seit 25 Jahren um die Bestandspflege im Haus kümmert. „Er kennt das Museum hinter den Kulissen und ist eine große Stütze für mich“, sagt Bieske. Kein Kinderspiel in einem Haus, in dessen Dauerausstellung fast alle Kapitel der Eckernförder Stadtgeschichte verhandelt werden. Da taucht die Bildschnitzerfamilie Gudewerth ebenso auf wie die Schlacht von 1849, als das dänische Linienschiff „Christian VIII“ versenkt wurde. Da passiert der Besucher Kabinette, wo Fischräucherei und Badeleben thematisiert werden, bleibt garantiert am charmanten Kolonialwarenladen oder bei den Fayencen aus hiesiger Manufaktur hängen. Bei Malerei des ausgehenden 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart ist noch lange nicht Schluss.

 Zugegeben: Das alles könnte moderner und zeitgemäßer und damit besucherfreundlicher vermittelt werden. „Die Infrastruktur im Haus stammt noch aus den Achtzigerjahren“, sagt Dorothee Bieske mit Blick auf beigefarbenen Teppichböden oder vergilbte Beschilderungen, auf Vitrinen und Stellwände, die einfach „nicht mehr State of the Art“ seien. Und warum eigentlich die schönen grau gestrichenen Sprossenfenster mit Gardinen zuhängen und den Blick auf die schöne Stadt verstellen? Kurzum: Bieske will das Haus frischer aufstellen. Direkt am Rathausmarkt hat es zwar eine exponierte Lage, versteckt sich aber tatsächlich in aller Bescheidenheit. Das alles geht nicht von heute auf morgen, sei aber auf dem Weg zur Museumszertifizierung unerlässlich.

 Genauso wie die Sonderausstellungen an, ohne die das Haus nicht auf solide Besucherzahlen kommt. Vorgänger Uwe Beitz hat sechs pro Jahr gezeigt – beachtlich, findet Bieske. Bis zum April ist unter dem Titel Draußen eine Einzelausstellung Friedel Andersons zu sehen, die Beitz noch realisiert hat und die mit ihren Küsten und Meeresmotiven viele Besucher anzieht. Um das laufende Ausstellungsjahr schnell unter Dach und Fach zu bringen, greift Bieske auf ihr Netzwerk zurück. Den Bildhauer Peter F. Piening will sie im Sommer zeigen, der Hamburger Fotograf Heiko De Groot folgt im Rahmen des Naturfilmfestivals Green Screen und eine jurierte Ausstellung der Vereinigung Multiple Art beschließt das Jahr im Oktober.

 Als bewusst niederschwellig beschreibt sie das Programm für den Start. Was danach kommt? Selbstverständlich aktuelle Künstler und unbedingt Malerei um 1900, sagt sie und hat wunderbare Bilder von Privatsammlern hat im Auge. „Mit Meer und Küste, damit kann man doch hier in Eckernförde andocken.“

 www.museum-eckernfoerde.de

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