17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Leise Komik, große Dramatik

Kieler Schule für Schauspiel Leise Komik, große Dramatik

Einen roten Vorhang, ein paar Stühle und oft nicht einmal das brauchen die acht jungen Studenten der Kieler Schule für Schauspiel (SfS), um verschiedenste Bühnenwelten lebendig werden zu lassen.

Voriger Artikel
Feiern mit Eschenbach
Nächster Artikel
Kunst, die auf Zuwachs angelegt ist

Angeber schikaniert Mitschüler, und gleich knallt’s: Arne Berner (re.) und Corbin Broders in einer Szene aus „Punk Rock“.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Unter dem (selbst-) ironischen Titel The Awful Eight („Die schrecklichen Acht“) spulen die kein bisschen schrecklichen, sondern im Gegenteil oft bemerkenswert reifen Schauspieleleven 14 aneinander gereihte Szenen beziehungsweise Songs ab, die unterschiedlicher kaum sein könnten und – alle auf ihre Art – sehr unterhaltsam sind.

 Mitten hinein in das pralle Bühnenleben springt das Ensemble gleich mal mit der ersten Nummer, in der sich Diana Scheipers und Jule Nero einen packenden Fechtkampf liefern. So aus nächster Nähe betrachtet auf der nicht allzu großen Probebühne der SfS wird klar, wie ausgefeilt so ein Duell choreografiert sein will, wenn sich die Klingen zum temperamentvoll gespielten Flamenco-Gitarrenstück (Julian Peterisenbürger) klirrend kreuzen. Ganz anders dagegen die Stimmung im Ausschnitt aus Ödön von Horváths Volksstück Kasimir und Karoline, in dem Oleksandra Zapolska als Fräulein Erna und Arne Berner als Kasimir brillieren: Leise komisch und zartbitter zugleich führen sie den Dialog dieser beiden verlorenen Seelen, die sie mit Worten, aber oft auch mit nur kleinen Gesten oder Blicken charakterisieren. Bis auch hier wieder, bildlich gesprochen, der Vorhang fällt und der nächste Wechsel ansteht.

 Das ist eine der besonderen Qualitäten dieser gelungenen Schulproduktion von Zweit- bis Siebt-Semestern: Man erlebt zwar nur kurze Ausschnitte, aber die ziehen einen so unmittelbar in das Geschehen hinein, dass man jedes Mal gerne weiter zugeguckt hätte. Zugleich ist die Neugier auf das nächstfolgende Szenen- oder Song-„Häppchen“ aber auch schon wieder groß. Und das zu Recht, da tut auch mal irgendwo ein kleiner Wackler im Gesang keinen Abbruch.

 Aus dem Stand hochdramatisch zeigen sich Jule Nero und Diana Scheipers in einem Auszug aus Hugo von Hofmannsthals Elektra im packenden Ringen der beiden Schwestern Elektra und Chrysothemis um die Rachegelüste der Erstgenannten. Während in der Szene aus Simon Stephens Stück Gegenwartsdramatik Punk Rock Corbin Broders und Arne Berner sich mit explosivem Temperament in die gar nicht heile Welt von Teenagern begeben.

 Auch Komisches kommt an diesem Abend nicht zu kurz: Besonders der Auftritt von Julian Peterisenbürger und Oleksandra Zapolska, die den Schmachtsong Oh! Darling der Beatles in Grund und Boden singen zwischen Parodie und Empathie und dabei auch mal ein Schrei-Duell hinlegen, sorgen für viele Lacher. Allen Beteiligten ein großes Kompliment und verdienter Applaus des Publikums.

  Nächste Vorstellung: Dienstag, 8. November, 19 Uhr, Schule für Schauspiel (Poppenkamp 2)

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3