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Die frühe Globalisierung

Kieler Uni-Bibliothek zur Emblem-Forschung Die frühe Globalisierung

Kostbar gerahmt und mit Sinnsprüchen überschrieben, geben sie in der „Bunten Kammer“ von Gut Ludwigsburg bei Eckernförde Einblick in Leben und Familiengeschichte der Gutsleute. 145 farbige Bildchen, die die Holztäfelung der Wände schmücken. Im anderen Kontext finden sich solche Embleme in Gettorf in der Kirche St. Jürgen.

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Emblematik im Ostseeraum: Ingrid Höpel und Lars Olof Larsson in der Ausstellung zum gleichnamigen Buch.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Dort zeigt der barocke Taufdeckel auf farbigen Rundmedaillons neben anderen Wachstumssymbolen eine Blumenwiese, die auf eine Enzyklopädie zurückgeht, die hunderte Embleme aus verschiedenen Büchern nach Themen ordnete und als Grundlage für die angewandte Emblematik außerhalb der Literatur diente.

 „Man braucht nur wenige Kilometer zu fahren, um zu entdecken, wie die Embleme in Architektur und Alltag hinein gewandert sind“, sagt Ingrid Höpel, Kunsthistorikerin an der Kieler Uni, die in der Universitätsbibliothek die Ausstellung zur „Emblematik im Ostseeraum“ konzipiert hat – parallel zum Erscheinen des gleichnamigen Buches (hg. von Ingrid Höpel und Lars Olof Larsson im Ludwig Verlag), das Beiträge der Konferenz der Society for Emblem Studies 2014 in Kiel zusammenfasst.

 Embleme, das waren in der Renaissance ursprünglich gedruckte Lebensweisheiten und Ratschläge, zusammengefasst in Sinnspruch, Bild und erklärendem Text. Das erste Emblembuch wurde 1531 in Augsburg lateinisch gedruckt und zügig ins Deutsche, Französische und Spanische übersetzt. In der Folge entstanden bis ins 18. Jahrhundert überall in Europa Bände mit politischen, religiösen und naturkundlichen Inhalten. Und vor allem Liebesembleme waren beliebt. Aus den Büchern fanden die Symbolbilder im 16. und 17. Jahrhundert ihren Weg in das praktische Leben hinein. „Die Bilder haben auch als Gesellschaftsspiel funktioniert“, so Ingrid Höpel, „sie waren Anregung zu rätseln und sich auszutauschen.“ Dabei wurden die Motive – durchaus grenzüberschreitend – aufgegriffen, abgewandelt, mit regionalen Besonderheiten und den jeweiligen Dekorationsvorlieben kombiniert.

 Die Kieler Schau, die zurückgreift auf die zum Bestand der Uni-Bibliothek gehörenden Sammlung des Kieler Kunsthistorikers Wolfgang J. Müller (1913-1992), will Einblick in die Vielfalt der Emblem-Forschung geben, die von der Kunstgeschichte über Philologie bis zur Theologie interdisziplinär arbeitet. Sie zeigt außerdem, wie sich europäische Traditionen bis in die Randregionen verbreitet haben und was Auftraggeber und Künstler bewegte. Zum Beispiel setzte der für die Dorfkirche im nordfriesischen Enge zuständige Pastor, der auch Mitglied der Ackerakademie in Glücksburg war, deren Deckengestaltung Ende 1779 ganz konkret als Aufruf zur Aufforstung der Geest ein. Unter anderem mit einem Orangenbäumchen, das sich zum Verwechseln ähnlich in einer Buchvorlage aus Prag findet.

 „Es ist spannend, dass die Motive so weite Strecken zurücklegen“, sagt Ingrid Höpel und verweist auf Beispiele aus Riga, die die Schau ergänzen. Und wie die Embleme zu einem frühen Globalisierungsphänomen wurden, zeigt das Buch eines polnischen Autors, das in Prag gedruckt wurde und in Deutschland Verbreitung fand.

  Universitätsbibliothek Kiel, Leibnizstraße 9, bis 4. September. Mo-Fr 9-22, Sbd 9-20 Uhr, So (nur im Juli) 10-18 Uhr.

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