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Die Kunst des Belanglosen

Peter F. Piening im Museum Eckernförde Die Kunst des Belanglosen

Wenn die Besucher einer Ausstellung plötzlich von der Bildfläche verschwinden, ist das eine recht ungewöhnliche Sache. Im Museum Eckernförde wird dieses Phänomen in nächster Zeit wohl häufig zu beobachten sein, denn Dorothee Bieske, seit März Leiterin des Hauses, hat zu ihrer Ausstellungspremiere Peter F. Piening eingeladen. Und der macht unter anderem begehbare Kunst.

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„Entscheidend ist das Zusammenspiel der Dinge“: Die „Laube“ (2013) ist die jüngste begehbare Skulptur von Peter F. Piening, zu sehen im Museum Eckernförde

Quelle: bos: Björn Schaller

Eckernförde. „Die Tür muss zu“, sagt Piening und schließt mit resolutem Ruck die hölzerne Pforte hinter zwei Kollegen von der Presse, die in einem reich mit Blattwerk verzierten Objekt Platz genommen haben. Derart abgeschottet könne man sich besser auf das Interieur konzentrieren, so der Künstler. Wie Recht er hat. Wer einmal in seiner „Laube“ sitzt, kommt so schnell nicht wieder heraus. Eine unfassbare Vielfalt an Bildern und Objekten gibt es dort zu entdecken: schwarze Vögel und turtelnde Liebende, kluge Sinnsprüche und blödsinnige Werbeslogans, Figuren, Bücher und Möbel im Puppenstubenformat. „Ich hole meine Anregungen von überall her. Was mir ins Auge springt, greife ich auf“, sagt der Mann aus Ahrensburg, der in den 60er Jahren Grafik, Malerei, Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Mainz studiert hat. „Dabei ist das Einzelne gar nicht so wichtig. Entscheidend ist das Zusammenspiel der Dinge.“ Die „Laube“ (2013) ist die jüngste begehbare Skulptur des 73-Jährigen und wurde bisher nie gezeigt. Eine weitere ist die „Laterne“. Äußerlich eher schmucklos gestaltet, wirkt der Einsitzer von innen wie ein sakraler Raum, angefüllt mit einem Personal, das von biblischen Figuren über die Beatles bis zu Max und Moritz reicht.

 Ob groß oder klein, begehbar oder Wandobjekt: Alle 33 Exponate in der ungemein charmanten Schau zum „Stand der Dinge“ sind mit der Laubsäge gefertigt, Pienings Markenzeichen. Er führt sie virtuos, egal ob er seine Motive auf den Schattenriss reduziert, farbig hinterlegt oder raffiniert als 3-D-Bild staffelt. Das beliebte Heimwerker-Utensil steht für seine Philosophie, die das Credo des Künstlers listig hinterfragt. „Die Laubsäge ist ein verpöntes Ding und wird im Bereich der Kunst nicht ernst genommen“, weiß er. „Indem ich diese Technik verwende und vorgebe, ein Bastler zu sein, will ich Distanz schaffen.“ – Und die Kunst vom Sockel der Erhabenheit herunterholen. In seiner Motivwahl bedient er sich deshalb gerne beim Banalen. Ein schlichtes Komma, als schwarzes Zeichen und als Wort „gelaubsägt“, ist ihm ein Wandobjekt wert, genauso wie ein Rasierpinsel, umrahmt von den Kürzeln der Wochentage und unterschrieben mit dem Wort „täglich“. Oder die Beine zweier Anzugträger, von denen einer in Turnschuhen, der andere in ledernen Slippern unterwegs ist. Als Diptychon präsentiert, kommt den Herrenbeinen absurde Bedeutsamkeit zu – eine ironische Note, typisch Piening.

 „Ich bemühe gern das Belanglose, um zu fragen: Was macht ein Kunstwerk aus?“ sagt einer, der das Wort Kunst sowieso nicht besonders mag. Dem gebürtigen Nordfriesen macht das Nicht-Besondere Spaß. Und so adelt er eine aus dem Lexikon zitierte Anleitung zum Binden einer Krawatte mit einer mehrteiligen Arbeit oder er präsentiert einen freundlich dreinblickenden Foxterrier in achtfacher Kopie. Warum immer derselbe Hund? „Es ist nicht derselbe“, sagt Piening und verweist schmunzelnd auf die ausgesägten Bildunterschriften, die jedes Tier einem anderen Halter zueignet. „Alle wollen halt immer etwas Besonderes sein. Irgendwann ist dann eben das Allgemeine das Besondere.“

  Museum Eckernförde. Rathausmarkt 8. Bis 24. Juli. Di-Sa 10-12.30 und 14.30 - 17 , So 11- 17, feiertags 14.30 – 17 Uhr

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