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Immer hart an der Gegenwart

Käthe Kollwitz in der Kunsthalle Kiel Immer hart an der Gegenwart

Käthe Kollwitz gehörte zu den wenigen Frauen, die ihre künstlerischen Ambitionen konsequent verfolgte, ohne auf Ehe und Familie zu verzichten, denn sie wollte „nicht ohne Liebe leben.“ Die Kunsthalle Kiel zeigt Grafiken von ihr.

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Aufruf zur Empathie: Käthe Kollwitz’ Lithografie „Helft Russland“ von 1921 nimmt Partei für die Opfer von Weltkrieg und Revolution.

Quelle: *

Kiel. Da Frauen an Kunsthochschulen nicht zugelassen waren, studierte Käthe Kollwitz (1867-1945) in Berlin und München an den sogenannten Damenakademien, autodidaktisch erarbeitete sie sich die Technik des Radierens. Sie heiratete und wurde Mutter von zwei Söhnen – der jüngere, Peter, fiel 1914 in den ersten Tagen des Krieges. Der Tod wird neben der innig dargestellten Beziehung zwischen Mutter und Kind fortan zu einem zentralen Thema in ihrem Schaffen.

 Die grafische Abteilung der Kunsthalle widmet der Künstlerin, die später als erste Frau in der Akademie der Künste aufgenommen wurde, eine Sonderausstellung, zusammengestellt aus dem umfangreichen Bestand an Kollwitz-Blättern des Hauses. Unter dem Titel Käthe Kollwitz: Ich will wirken hat Annette Weisner drei bekannte Zyklen sowie Einzelarbeiten ausgewählt, die Kollwitz noch zu Lebzeiten weit über die Grenzen Deutschlands bekannt machten. „Der Realismus von Käthe Kollwitz orientierte sich an der Gegenwart“, so die Kuratorin. „Sie nahm Anteil an sozialen Missständen und schreckte nicht davor zurück, sich in sozialen Projekten zu engagieren.“ Als Inspirationsquelle dienten ihr dabei nicht selten historisch-literarische Quellen, darunter die Uraufführung von Gerhard Hauptmanns Theaterstück Die Weber, die sie in ihrem Zyklus Ein Weberaufstand (1893-97) verarbeitete. Ausgeprägte Hell-Dunkel-Kontraste prägen die eindringlichen Szenen, die von Armut und Not erzählen – und von Müttern, die um ihre Kinder bangen. Feine Texturen in flächig gehaltenen Bildelementen zeugen von experimentellen Techniken, die den Arbeiten haptische Anmutung verleihen.

 Immer wieder stehen Frauen im Zentrum – starke, tröstende oder vergewaltigte wie in dem Zyklus Bauernkrieg (1901-1908) und Krieg (1922), der die trauernde Mutter in den Fokus rückt. Der Tod scheint allgegenwärtig in der empathischen Kunst von Kollwitz. Meist ist er Bedrohung, manchmal auch Freund und Erlöser wie dem Selbstbildnis Ruf des Todes von 1937, das eher Ausdruck einer Todessehnsucht ist. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 ihren Austritt aus der Akademie der Künste erzwungen hatten, durfte Käthe Kollwitz 1936 nicht mehr ausstellen, ihre Werke wurden aus öffentlichen Sammlungen entfernt.

  Grafische Sammlung der Kunsthalle. Bis 5. März. Di-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr

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