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Doppelt hält besser

Blitz-Kritik: Die Lochis Doppelt hält besser

„Am tollsten waren die Riesenluftballons am Ende“, resümiert Luca (9) ihr erstes Konzert in der Sparkassen-Arena. Mit knapp 4000 weiteren Fans bestaunte sie die Zwillingsbrüdern Heiko und Roman Lochmann, genannt die Lochis, die am Sonntag in Kiel das umjubelte Abschlusskonzert ihrer #Zwilling-Tour gaben.

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Die Lochis in der Kieler Sparkassen-Arena.

Quelle: Björn Schaller

Das Programm

Kiel. Nun, die YouTube Stars (zwei Millionen Follower)  hatten überwiegend Songs ihres im August 2016 veröffentlichten und in Deutschland und Österreich an die Chart-Spitze gestürmten Debüt-Albums #Zwilling am Start. Die Musik mit Hits wie Wer du wirklich bist, Geweint und gelacht , Lieblingslied oder dem Titelsong ihres ersten Kinofilms Bruder vor Luder pendelt irgendwo zwischen Hip-Hop, Deutschrock, Pop und ein wenig Elektro. Abendfüllend war das trotzdem nicht wirklich. Trotz Gastauftritten von Sängern wie Jannik Brunke oder T-Zone könnte es möglicherweise an Materialmangel gelegen haben, dass die Gebrüder Lochmann (Jahrgang 1999) die zwei Stunden Spielzeit ihres Konzertes mit allerlei Geplapper gefüllt haben. So wurden die in Einheitsweiß gewandeten Zwillinge nicht müde, permanent Spaßanweisungen ans Publikum zu erteilen, zu erzählen, wie  „krass“, „cool“ oder „toll“ die „lieben Freunde“ im Saal seien. 

Hier finden Sie Bilder vom Auftritt der Lochis in Kiel.

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Außerdem, und das gibt einem wirklich zu denken, baten, nein befahlen, die Sunnyboys aus Hessen dem jungen Publikum permanent und teilweise recht brüsk , die Handys auszuschalten. Wegen des Live-Erlebnisses, denn, so das Duo,  „ihr braucht eure Hände zum Klatschen.“ Schon mal nicht uninteressant für Social Media Helden. Richtig verwirrend wird es aber, wenn die Jungs das gelehrige Publikum bei langsamen Songs ebenso vehement auffordern, die Taschenlampen-Funktion der mobilen Telekommunikation-Apparate wieder einzuschalten, „um Stimmung zu machen“.

Das Publikum

Jung. Und weil die überwiegende Zahl der Fans Kinder waren , bewegten sich auch die dazugehörigen  Eltern mehrheitlich im im U-50 Bereich. Die Stimmung war blendend, ja streckenweise euphorisch. Die Familien hier wollten am Sonntagabend feiern und taten das auch. Jenseits aller objektiv zu diskutierender musikalischer Qualität war es am Ende das, was ein Konzert dieser Art bieten kann und soll. Kaum einer ging enttäuscht aus der Halle. Deshalb: Volle Punktzahl.

Was in Erinnerung bleibt

Ehrlich gesagt, außer der entwaffnenden Begeisterung der Kinder für ihre Stars nicht viel. Es bleibt die dann doch niederschmetternden Erkenntnis, dass die heutige Jugend seine Eltern längst nicht mehr mit Punk, Rock, Grunge oder sonstwas erschreckt, sondern mit Musik von geradezu markerschütternder Bedeutungslosigkeit. Müssen wir, die Alten, denn tatsächlich mit den zerkratzten Scheiben der Rolling Stones gegen den keimfreien Teenie-Pop der Lochis antreten? Verkehrte Welt. Bitte Handys aus.

Fazit

„It's A Long Way To Top When You Wannna Rock and Roll“ befanden einst AC/DC.  Über You Tube geht es offenbar deutlich schneller. Und das ist schade.  

 

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