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Kaltstart mit Charme

Die Queenz of Piano im Kieler Metro Kaltstart mit Charme

Als die Queenz of Piano im vergangenen Jahr im Metro ihr Programm Tastenspiele vorstellten, erlebte man zwei hochbegabte Damen, die sich an ihren Flügeln eine Pianopointe nach der anderen zuspielten und ihr Publikum dabei locker um den Finger wickelten. Auch auf ihrem Flyer, der am Montag in den Stuhlreihen des halbvollen Kinosaals ausliegt, sind Anne Folger und Jennifer Rüth als musikalische Tischtennisspielerinnen abgebildet, bei denen es unübersehbar läuft.

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Pointiertes Wechselspiel: Queenz of Piano, Anne Folger und Jennifer Rüth, im Metro.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. An diesem Abend aber steht keine routiniertes Gastspiel, sondern die allererste Vorpremiere ihres neuen Programms Verspielt an. Dementsprechend nervös zeigt sich das Duo seinen Gästen. Es müsse tatsächlich mit vielen Versprechen und Verspielern gerechnet werden, bekennen die beiden Musikerinnen offen. Aber in Anbetracht des vieldeutigen Programmtitels sei ja auch nicht auszuschließen, dass einige genau deswegen gekommen seien.

 Während der folgenden Minuten fragt man sich noch, ob hinter diesem Habitus vielleicht Koketterie steckt, in Wirklichkeit schon alles sitzt und das Spiel mit der eigenen Unsicherheit schon zum Programm gehört. Tatsächlich ist dem nicht so, und man erlebt gewissermaßen eine Show im Werden. Immer wieder wollen Jennifer und Anne in deren Verlauf den Beweis führen, dass der Fehler in der Musikgeschichte in produktive Prozesse mündete. Nirvanas Song Smells Like Teen Spirit? Ursprünglich inspiriert durch den Ärger von Kurt Cobains Mitbewohnerin darüber, dass der Sänger ständig ihr Deodorant namens „Teen Spirit“ benutzte. Prompt schrieb sie Kurt smells like Teen Spirit an seine Zimmerwand und inspirierte ihn damit zum größten Hit seiner Band. Miles Davis’ Standard All Blues? sei letztendlich zurückzuführen auf eine anfänglich ziemlich unharmonische Zusammenführung afrikanischer und europäischer Musikkulturen. Und die Queenz wären nicht die Queenz, wenn sie solche Theorien an den Flügeln nicht gleich noch klangfarbenprächig in klingende Beweisführungen umsetzen würden.

 Neben altbekannten Hilfsmitteln wie dem Milchaufschäumer haben sie dafür auch ein paar neue Instrumente im Gepäck: das Theremin etwa, nach den Ausführungen des Duos eher versehentlich erfunden. Jennifer hat sich in den spacig klingenden Vorläufer des Synthesizers eingearbeitet, der ohne Berührung gespielt wird und sich bestens für Sci-Fi-Melodien eignet. Anne leistet am Klavier tatkräftig Schützenhilfe und im Laufe des Abends wird die musikalische Fehlersuche unter anderem noch nach Brasilien und in die Barockzeit führen. Das alles ist nett ausgedacht und verfügt gerade in der noch etwas wackeligen Umsetzung über Charme. Doch auch dass hier manche laue Pointe unbemerkt bleibt, lässt sich nicht verhehlen. „Das Kieler Publikum lässt einen immer sofort spüren, ob etwas geklappt hat“, witzelt Anne nur halb im Scherz. Der Applaus für ein Programm mit Potenzial fällt trotzdem herzlich aus.

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