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Die Räuber, ein unterhaltsamer Schiller-Krimi

Sommerrockoper Kiel Die Räuber, ein unterhaltsamer Schiller-Krimi

Live-Band, Film, Action: "Die Räuber" fahren in der Inszenierung von Daniel Karasek beim Sommertheater am Seefischmarkt in Kiel groß auf. Das Premierenpublikum ist begeistert. Für weitere Aufführungen gibt es noch Restkarten.

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Die Sommerrockoper "Die Räuber" feierte am Freitag Premiere am Seefischmarkt in Kiel.

Quelle: Olaf Struck

Kiel. Der Himmel dräut so steingrau düster über dem Ostufer, als wollte gleich das große Drama losbrechen, die Welt versenken und die Ordnung auf den Kopf stellen. Passt gut zu Friedrich Schillers Dramenerstling Die Räuber, bei dessen Uraufführung 1782 die Damen in Ohnmacht fielen und die Männer ihren heiligen Zorn herausbrüllten. Und auch Regisseur Daniel Karasek und sein Team fahren im Sommertheater am Seefischmarkt zur Begeisterung des Premierenpublikums groß auf: Live-Band, Film, Action, Rockoper. Die spielt freilufttauglich mit Pathos und Platzpatronen, mit großer Pose und Jugendzentrumscharme.

Die Bühne von Lars Peter teilt Schillers Parallelmontage in eine glänzende Gerüstlandschaft, links eine Art neureiches Penthouse mit Flügel und Ausblick, in dem sich die Grafen Moor eingeigelt haben, rechts Bauwagensiedlungsatmo mit Feuerschale und Autoreifen, an denen die Räuber ihren anarchischen Geist wärmen. Zwei Welten, die nicht zusammen kommen, zwischen denen die Geschichte aber locker switchen kann.

Geschickt verdichtet

Karasek und Dramaturg Jens Paulsen haben den ausufernden Text dicht am Originalklang von Schillers Sprache auf ein verdauliches Maß verknappt und geschickt verdichtet. Hier Franz, der ungeliebte Sohn, der den alten Moor umkriecht, umgarnt und den großen Bruder Karl mit beiläufigen Bosheiten in Misskredit setzt. Und neben der Erbschleicherei stellt er noch Karls Mädchen Amalia nach. Da Karl, der Draufgänger und Idealist, dem das Denken erst einfällt, wenn die Stadt schon niedergebrannt ist. Oliver E. Schönfeld zeigt ihn als spannend zwiespältige Figur – düster vergrübelt und aktionistisch auffahrend, während Marko Gebbert seinen Franz ganz im Trauma des vernachlässigten Kindes aufgehen lässt. Ein Nihilist, der nicht mal mit sich selbst zu rechnen scheint. Magdalena Neubauers selbstbewusst sehnsüchtige Amalia jedenfalls lässt ihn ganz locker abblitzen. So einer traut man auch zu, dass sie ihren Karl am Ende wieder resozialisiert.

Drumherum singen die Räuber „Freiheit oder Tod“ und „Wir sind eine Idee“ – eine jugendbewegte Anarcho-Truppe mit zeitgemäß weiblicher Verstärkung: Jessica Ohl als loyale Roller, Jennifer Böhm eine desillusionierte Kosinsky, der per Film ein Gay-pride-Hintergrund eingespielt wird. Martin Borkert der wankelmütige Razmann, Felix Zimmer und der für den verletzten Marius Borghoff eingesprungene Johannes Merz (Romeo!) die Mitläufer Schwarz und Schufterle. Als brutalisierten Mephisto lässt Rudi Hindenburg seinen Spiegelberg aufmarschieren, dem Christian Kämpfers Schweizer klar Kontra gibt.

Noch etwas mechanisch

Mehr als den Figuren nachzuspüren, ist Karasek etwas überbeschäftigt, der Geschichte zu folgen. Das treibt den ersten Teil, in dem die Intrige wirksam wird und die Räuber zusammenfinden, rasant voran und driftet nach der Pause doch ins Schematische. Da wird der Schiller-Text wird durchaus poetisch durch die Song-Maschine von Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff gedreht, deutet die Musik Indie- und Deutsch-Rock an, Schlager und Chanson, Hiphop und Punk. So wird der erste Monolog von Franz, dieser zwischen Großmannssucht und Selbstmitleid pendelnde Ego-Trip, zum ruppigen Rap, konzentriert sich Amalias Sehnen in ihren Balladen zum Gefühl. Zacharias Preen kann die Klagen des alten Moor Hans-Hartz-kratzig röhren oder Imanuel Humms Pater düsteren Sprechgesang zelebrieren. Die Band um Thure Rückwardt setzt das energisch, wenn auch am Premierenabend noch etwas mechanisch um.

Gangsta-Gehabe im Kieler Umland

Was Songs, Schauspieler und selbst Schiller nicht erzählen, flimmert außerdem in den Kurzfilmen von Kay Otto und Aron Krause über die Leinwand: Kindheitserinnerungen im Super-8-Modus, wabernde Traumsequenzen oder Gangsta-Gehabe im Kieler Umland, die das große Drama schön jugendtheatermäßig konterkarieren.

Alles passiert hier im Großformat, und genau so muss das sein unter freiem Himmel im Sommertheater. Dass das Drama dabei nicht immer ganz so groß wird, ist zu verschmerzen. Schließlich sind Sturm, Drang und Rock ein zwingendes Trio, mit dem sich dieser Schiller-Krimi vor allem unterhaltsam zeigt.

Sommerrockoper Die Räuber

Seefischmarkt Kiel. Bis 17. Juli. Restkarten 0431/901901, www.theater-kiel.de

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Sommertheater Kiel
Foto: Feuertest kurz vor der Vorstellung: Giacomo Koch steht auf dem Dach und meldet die ordnungsgemäße Funktion an die Technik.

„Das Publikum ist begeistert, das Feedback ist großartig“, resümiert Andreas Waschkowski, der technische Leiter von Opus Showtechnik, vor der Finalrunde des Sommertheaters „Die Räuber“. „Es ist ja vergleichsweise schwerer Stoff, aber es kommt gut an.“

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