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Vielversprechende Palette

Volksbühnengala im Kieler Schloss: Vielversprechende Palette

Das kann eine spannende Opernsaison werden. Im voll besetzten Kieler Schloss machte am Sonnabend die typisch bunte Palette der Volksbühnengala nachhaltig neugierig auf die programmatisch ambitionierte Planung für 2016/17.

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Gala-Glanz mit Ausschnitten aus Verdis „Rigoletto“: Yoonki Baek, Fiorella Hincapié, GMD Georg Fritzsch, Daniela Bruera und Stefano Meo (von links).

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Und entsprechend zuversichtlichen Enthusiasmus merkte man dem Vorsitzenden der Besucherorganisation, Gerd Müller, und Generalmusikdirektor Georg Fritzsch als Vertreter des terminlich verhinderten Intendanten dann auch schon bei ihrer Begrüßung an.

 Daniel Carlberg, der neue Stellvertreter des GMD, ließ prompt am Pult der aufgepeitschten Philharmoniker und Opernchoristen keinen Zweifel daran, dass er Giacomo Meyerbeers Grand Opéra Die Hugenotten für überwältigend mitreißende Musik hält. Und das ist wichtig für die geplante Wiederbelebung einer Rarität, die mal die meistgespielte Oper des 19. Jahrhunderts war, dann aber ausgerechnet von ihrem größten Nutznießer, Richard Wagner, kunstpolitisch und antisemitisch untergepflügt wurde.

 Dramaturg Ulrich Frey, neben Yvonne Ruprecht Moderator des Abends, verwies zu Recht auf die wichtige Brückenfunktion von Meyerbeers Schaffen zwischen Rossini (mit seinem Wilhelm Tell) und Wagner/Verdi. Was da 1836 in Paris über die nunmehr 444 Jahre zurückliegende Bartholomäusnacht musikalisch aufgekocht wurde, hat enorme Wirkungsmacht. Zumal, wenn die anspruchsvollen Hauptpartien mit Fingerspitzengefühl besetzt werden: Der russische Tenor Anton Rositskiy und die italienische Sopranistin Daniela Bruera passen als Raoul und Marguerite stimmlich bestens zusammen, haben beide die für Meyerbeer wichtigen Belcanto-Grundlagen, aber auch die nötige Attacke für den dramatischen Moment.

 Italienische Akzente gewinnen spürbar mehr und mehr Bedeutung an der Kieler Oper. Das neue Ensemblemitglied Matteo Ferretti ließ mit knackigem Bass den Lord Sidney aus Rossinis Die Reise nach Reims in gewandt rollenden Koloraturen schwärmen. Ausschnitte aus Verdis Rigoletto weckten mit Bruera, Fiorella Hincapié, Yoonki Baek und dem ausdrucksstarken italienischen Charakterbariton Stefano Meo Sehnsüchte nach der tragischen Geschichte am Hof in Mantua. Im weiteren Sinne lässt sich sogar der französische Barockkomponist und Geigenvirtuose auf italienische Prägungen zurückführen: Die lyrische Sopranistin Karola Sophia Schmid gab mit der Arie Sermonts trompeurs der Titelfigur einen lichten Eindruck aus der geplanten Ausgrabung Skylla und Glaukos. Bettina Rohrbeck sorgte am Pult dabei für die richtige Musiktemperatur nach älterer Väter Sitte.

 Bemerkenswert war sowieso einmal mehr, wie mühelos die Philharmoniker zwischen den Stilen jonglierten, unter Moritz Caffier und Stefan Bone Coppélia-Ballettmusik-Schwung à la Léo Delibes parat hatten, sich mit Heike Wittlieb durch Andrew Lloyd Webbers Evita-Evergreen schluchzten oder unter Lam Tran Dinh geradezu fetzig Jugend-, Opern- und Extrachor im Quadrille-Chor aus Carmen antrieben.

 Gänzlich trittsicher sind sie ohnehin in der Klangregie des Rings: Wagners Siegfried ist das nächste Großprojekt daraus. GMD Fritzsch trug in „Heil dir, Sonne!“ und „Ewig war ich“ sichtbar genüsslich einen ganz hervorragend singenden Gast auf Händen, denn die Schweizerin Marion Ammann, im Lübecker Nibelungen-Kontext die vielgefeierte Sieglinde, empfahl sich, völlig ohne Unarten eines hochdramatischen Soprans, mit klar aufflammender Intensität, Sprach- und Detailgenauigkeit sehr als Kiels neue Brünnhilde.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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