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Vorglühen aufs Nachglühen

Die Wise Guys im Kieler Schloss Vorglühen aufs Nachglühen

Im A-Cappella-Geschäft versteht sich eine gewisse Sorgfalt von selbst. Wer eine musikalische Karriere auf der Basis von purem Gesang bestreiten will, muss wissen, wer wann was zu tun hat. Die Wise Guys haben es damit in Deutschland ganz weit nach vorne gebracht.

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Theater aus der Tüte

Das aktuelle Bühnenprogramm der Wise Guys gleicht einer Zeitreise durch die Geschichte der Band.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Und die im Laufe eines Vierteljahrhunderts gefestigte Bandakribie scheint auch bei der Planung ihres Abschieds den Ton angegeben zu haben. Die Nachricht vom Ende des Quintetts im Sommer 2017 wurde von seinen Mitgliedern bereits Anfang 2016 in Umlauf gesetzt. Rechtzeitig zur ausgedehnten Abschiedstournee ist die autorisierte Biografie erschienen und auch das aktuelle Bühnenprogramm gleicht einer Zeitreise durch die Geschichte der Band.

 Im für zwei Abende ausverkauften Kieler Schloss betonen die Wise Guys am Sonntag dazu die Treue ihres Publikums. Wer sich hier umschaut, entdeckt tatsächlich zahlreiche Fans, die mit ihren Stars älter geworden sind und ihre Leidenschaft zum Teil auf den eigenen Nachwuchs weitervererben konnten, der nun ebenfalls Klassiker wie Showtime, Mädchen oder Ruf doch mal an mitsingt. Die Stimmung ist vom ersten Song an durch die bis an den Bühnenrand aufgestellten Reihen enthusiastisch. In Anbetracht des langen Abschieds lassen die entsprechenden Schmerzen offenbar noch auf sich warten.

 Neben ihren alten Hits haben die Wise Guys neue Gags im Gepäck: Mit Donald Trump sei ja nun ein Mann zum Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt gewählt worden, den man in der Bundesrepublik noch nicht einmal die Rolle des HSV-Präsidenten spielen lassen würde“, spottet Bariton Edzard Hüneke. Nils Olfert darf hingegen wenig später als „Nummerngirl“ agieren, indem er eine Tafel mit sechs Wise-Guys-Songs über die Bühne trägt, von denen einer per Riesenwürfel zum nächsten Live-Lied gekürt wird. Dass der in einen grünen Anzug gekleidete „Kieler Wise Guy“ dabei nicht ganz so viel Aufsehen erregt wie erhofft, dafür hat Bass Björn Sterzenbach eine einfache Erklärung: „Das kommt daher, dass du hier in Kiel am Wasser so eine Art Förster spielst!“ Und dann ist es auch schon an dem erst seit diesem Jahr bei der Gruppe singenden Björn selbst, sich mit dem augenzwinkernd formulierten Song Kleine Männer dem geneigten Publikum vorzustellen, das auf Zeilen wie „Kleine Männer stören sich nicht am Staub auf Kleiderschränken, kleinen Männern kann man Mode auch in Kindergrößen schenken!“ erwartungsgemäß erfreut. Natürlich geht es im Laufe der zwei ausgedehnten Konzerthälften nicht nur lustig auf der Bühne zu. Auch Balladen à la Wie kann es sein oder Wahre Helden und das offizielle Abschiedslied Wir werden euch vermissen zielen in Richtung Herz und kommen bei den Gästen ebendort an.

 Umgekehrt wird man die Wise Guys allerdings nicht lange vermissen müssen, die sich im März in Kiel mit zwei weiteren Konzerten erneut verabschieden: Lediglich Sari nimmt sich eine Auszeit von der Musik, um seiner Frau das berufliche Durchstarten zu ermöglichen. Eddi ist demnächst als Singer-Songwriter zu erleben und die restlichen drei Guys gehen mit zwei neuen Mitstreitern ab 2018 unter dem Namen „Alte Bekannte“ frisch an den Start. In diesem Sinne scheinen dem Nachglühen wie in der Szene üblich auch in Zukunft keine Grenzen gesetzt.

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