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Kostümierte Ekstase

Deichkind in der Flens-Arena Kostümierte Ekstase

Die Zeiten, in denen die Hamburger Hip-Hop Institution Deichkind in Schlabberhosen über die Bretter tollte, sind längst passé. In der fast ausverkauften Flens-Arena bietet die Formation mit ihrem Nummer eins Album Niveau Weshalb Warum im Gepäck eine spektakuläre Bühnenshow.

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In diversen Outfits brachten Deichkind auf ihrer „Niveau Weshalb Warum“-Tour die Flensburger Halle in Wallung.

Quelle: Manuel Weber

Flensburg. Ein Überfall ist immer ein probates Mittel, um die Masse sofort in Ekstase zu versetzen. Der Vorhang fällt und die Deichkinder schmettern der Halle den Opener So Ne Musik entgegen. „Willkommen zur Deichkind Show“, begrüßen die MCs. Und das ist es auch. Kein Song ohne selbstgemachte Kostüme oder Choreographie mit bis zu sechs zappelnden Bandmitgliedern. Bei Denken Sie Groß mit überdimensionalen Gehirnen auf die Häupter geschnallt, Lotsenzeichen bei Die Welt Ist Fertig oder munteres Bürostuhldrehen zu Bück Dich Hoch während hinter ihnen die mittlerweile sogar schon patentierten und sogenannten Omnipods über die Bühne fahren.

 Deichkind tischen ihre spitzzüngige gespickte Gesellschaftskritik bunt knallig und stets trashig auf. Dass ihnen bei aller Innovation mit weitestgehenden Verzicht auf Moderation ein wenig die Publikumsnähe abgeht und der Refrain von Hovercraft bei den Worten „auf und ab“ dieselbe Melodie von Bück Dich Hoch hat und schon ewig dagewesene Erkenntnisse wie etwa „Gegensätze ziehen sich an“ in Porzellan Und Elefanten die Refrains auffüllen, ist nebensächlich. Die basslastigen und meist im gleichen Takt stampfenden Beats aus der Konserve, zusammengeschustert aus Rave, Techno, Grime und Elektropunk Elementen massieren gehörig die Eingeweide und halten die Meute konstant hüpfend und tanzend in Bewegung.

 Spätestens bei den altbekannten Hits Leider Geil und Befehl Von Ganz Unten ist die Flens-Arena dann im kollektiven Taumel und kommt aus diesem auch nicht mehr heraus. Mit der Polonaise zu Hauptsache Nichts Mit Menschen wird die Publikumsnähe dann nachgeholt. Deichkind sorgen ganz dem Motto Stagnation ist Rückschritt dafür, dass es nicht langweilig wird, die Füße nicht stillstehen – und ernten dafür jede Menge ohrenbetäubenden Jubel. Eigentlich könnten sie zu den drückenden Beats mit ihrer aufwendigen Bühnenshow und passender Kostümierung auch das Hamburger Telefonbuch vorrappen, abgefeiert werden sie allemal. Die Zugabe hat es dann noch einmal in sich. Dem humoristisch vorgetragenen Oma Gib Handtasche folgt der 2008er-Hit Arbeit Nervt, der die Halle abermals zum Beben bringt.

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