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Die Harfe, der Jazz und die Samba

Cristina Braga Die Harfe, der Jazz und die Samba

Eine gehörige Portion sonnendurchfluteter lateinamerikanischer Musik servierte die brasilianische Harfenistin Cristina Braga in der Alten Meierei in Postfeld am See.

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So klingt Brasilien: Weltklasse-Harfenistin Cristina Braga in der Alten Meierei in Postfeld.

Quelle: Weber

Postfeld. Auch wenn das Bild vielleicht zu oft bemüht wird, stimmen tut es eben trotzdem: Es gibt wohl kaum etwas Geeigneteres, sich während eines typisch norddeutschen Schmuddelwinters den Sommer ins Haus zu holen als eine gehörige Portion sonnendurchfluteter lateinamerikanischer Musik. Wenn – und das ist dann sogar ziemlich ungewöhnlich – ein so warm klingendes Instrument wie die Harfe den Ton angibt, steht einer erfolgreichen Zwei-Stunden-Flucht aus dem Alltag nichts mehr im Wege. Jedenfalls zeigte das ein wunderbares Konzert mit der brasilianischen Weltklasse-Harfenistin Cristina Braga in der Alten Meierei in Postfeld.

 Auf dem Klangkörper mit der markanten blauen Säule zelebriert die fantastische Musikerin traditionelle und zeitgenössische Stücke ihrer Heimat und schafft es völlig unangestrengt, nicht nur Jazz, Bossa oder Samba, sondern auch höchste Spielkultur, Leichtigkeit und sogar Witz so zu vereinen, dass daraus etwas ganz Eigenes wird. Damit ist Bragas Kunst soweit von der kommerzialisierten Pseudo-Folklore anderer Vertreter dieses ethno-touristisch verseuchten Marktsegments entfernt wie die „zwei Meere und 120000 km“, die sie nach eigenen Angaben bis zum Konzert in Postfeld zu überwinden hatte. Der Abend beginnt mit dem sommerwindwarm arrangierten Insensatez, einer Komposition von Antonio Carlos Jobim, dass Jazzfreunden rund um den Globus als Bossa-Nova Jazz- Standard How Intensive ein Begriff sein dürfte. Stattlich begleitet von Ricardo Medeiros und seiner fünfsaitige Bassgitarre, die gerade in den tiefen Tönen einen prominenten, satten Klang entfaltet, reicht Braga schon bei den nächsten Songs sogar dem klassischen Chanson die Hände. Mit zauberhaft schwerelosen Glissandi auf der Harfe begleitet sie etwa bei Preciso ihren lebensbejahenden mit warmen Timbre ausstaffierten Gesang. Braga präsentiert die Songs in den Originaltexten, zuweilen auch in der englischen Übersetzung, was der Authentizität der Lieder aber keinen Abbruch tut. Amtlich groovte das Duo natürlich bei den vielen originären Bossa- oder Samba Nummern des Abends, wie etwa Samba E Amor oder So Danco Samba. Da bearbeitet Braga den elektronisch offenbar leicht verstärkten Resonanzkörper ihres edlen Instruments wie eine Beat-Box und schlägt die Saiten nicht minder perkussiv, aber immer klar akzentuiert. Man hätte hier sogar das das Tanzbein schwingen können, aber wir sind dann eben doch nicht in Brasilien.

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