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Anna Tsybulevas pianistische Affekte

Musikfreunde Kiel Anna Tsybulevas pianistische Affekte

Die Bandbreite pianistischer Hochbegabungen, die die Reihe „klassisch beflügelt“ der Kieler Musikfreunde in der Ansgar-Kirche bietet, ist immer wieder faszinierend. Das war auch bei der jungen russischen Pianistin Anna Tsybuleva nicht anders, die in Leeds gerade den renommierten Klavierwettbewerb gewonnen hat.

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Anna Tsybuleva in der Ansgarkirche Kiel

Quelle: Musikfreunde

Kiel. Verlässlich ist das enorme technische Niveau der Musikfreunde-Gäste, faszinierend das Ausmaß an Eigenständigkeit, das sie trotz ihres in der Regel jugendlichen Alters präsentieren. Mit der 1990 geborenen und im Kaukasus aufgewachsenen Russin Anne Tsybuleva nimmt am Sonnabend eine Künstlerin hinter dem Steinway Platz, die bereits mit zehn Jahren ihre Heimat verließ, um ihre Ausbildung an der sieben Autostunden entfernten Wolgodonsker Musikschule und später am Moskauer Staatskonservatorium zu absolvieren.

Dass sie dieses als „bester Student des Jahres 2014“ verließ, lässt sich beim Hören ihrer Interpretation von Carl Philipp Emanuel Bachs Sonate B-Dur Wq.48 leicht nachvollziehen. Pointiert und balanciert präsentiert die Pianistin das ursprünglich für das Cembalo geschriebene Stück und gestaltet es dabei in vollendeter musikalischer Geometrie. Wesentlich affektreicher fällt danach Tsybulevas Interpretation von Franz Schuberts Wanderer-Fantasie D 760 aus. Vom ungestümen, aber angenehm kontrolliert gestalteten Einstieg über das innig interpretierte Adagio bis hin zum feingezeichneten Presto erlebt man als Hörer ein beeindruckend facettenreiches Ausdrucksspektrum und ein Technikgewitter sondergleichen.

 Weil die sympathische Künstlerin danach auch Max Regers eigens für ihren Kieler Auftritt einstudierten Klavierzyklus Aquarelle op. 25 mit großer Sensibilität durchdringt, darf man sich nach der Pause über einen fesselnden Beitrag zum Reger-Jahr freuen. Den Höhepunkt des Konzerts bildet dann Tsybulevas Lesart von Dmitri Shostakovichs 24 Präludien op. 34. Wie sich die Musikerin raubkatzengleich durch das Dickicht der Stimmungswechsel bewegt, kann nicht anders als mit Bravi und Beifallsstürmen beantwortet werden. Camille Saint-Saens’ zugegebene Etüde op. 52, Nr. 6 „En forme de Valse“ unterstreicht, dass auch für ein junges Talent Ovationen mehr als berechtigt sein können.

www.musikfreunde-kiel.de

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