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Urbanski erhält Leonard-Bernstein-Award

Lübeck Urbanski erhält Leonard-Bernstein-Award

Mit Krzysztof Urbanski erhält erstmals ein Dirigent den Leonard-Bernstein-Award. Mit dem Preisgeld will er ein Stipendium für talentierte Nachwuchsmusiker in seiner polnischen Heimatstadt stiften.

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 Der Preisträger des Leonard Bernstein Awards, Krzysztof Urbanski,

Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Lübeck. Eine gute Bilanz: Wurden bei der tumultuösen Pariser Uraufführung vor 102 Jahren noch 27 Verletzte und hunderte Verstörte abtransportiert, verließen am Freitag beinahe zweitausend Unversehrte, begeistert von den Sitzen Gerissene die grandiose Aufführung von Igor Strawinskys Le Sacre du Printemps in der Lübecker Musikhalle. Zentralen Anteil hatte ein „Tänzer“ an der Wirkungsmacht der berühmten Ballettmusik, einer Art Urknall der klassischen Moderne: Krzysztof Urbanski dirigierte nicht nur mit schlangenhaft geschmeidigen Gesten und sprechender Mimik, er stellte die unerhörten Windungen der Riesenpartitur ganzkörperlich dar.

Bei den jungen Elitemusikern des Schleswig-Holstein Festival Orchester, die sich den rhythmischen und spieltechnischen Extremanforderungen des 31-jährigen Strawinsky souverän gewachsen zeigten, zündeten diese in jeder Hinsicht auswendigen Von-Fuß-bis-Kopf-Botschaften faszinierend unmittelbar. Vom sehnsüchtig langgezogenen Fagott-Solo des Beginns, das wie eine Klage aus archaisch russischer Zeit herüberwehte, über die mystischen Schauer und bedrohlich schleichend festgehaltenen Steigerungen des Opferrituals bis hin zu den splitternd aufberstenden Klangexplosionen schien hier alles treffsicher auf den Punkt gebracht.

Da war dann nicht der Hauch eines Zweifels angebracht, dass Urbanski als erster Dirigent in der Riege ein besonders würdiger Preisträger des Leonard Bernstein Awards ist. Ministerpräsident Torsten Albig hatte nicht zu viel versprochen, als er vorab verkündete: „Dieser junge Mann hat ein Charisma, dem sich kein Musiker entziehen kann“. Urbanski übertrage seine Leidenschaft auf das Orchester und sporne es an, jeden einzelnen Ton mit noch mehr Enthusiasmus zu spielen. Erstmals in Anwesenheit beider, von der „Märchenkulisse“ Lübecks begeisterter Bernstein-Töchter nahm der sympathische 33-Jährige vom Präsidenten der Sparkassen-Finanzgruppe Reinhard Boll den Doppelprismen-Würfel und jene 10.000 Euro entgegen, die er bereits für die Nachwuchsförderung in seiner polnischen Heimatstadt Pabianice vorgesehen hat.

Urbanski hatte schon vor der Pause seine Extraklasse bewiesen, als er im blinden Verstehen mit seinem Freund, dem ebenfalls mit polnischen Wurzeln verankerten Pianisten Jan Lisiecki, ihrem Nationalkomponisten Frédéric Chopin huldigten. In der Grand Polonaise op. 22 und vor allem dem Zweiten Klavierkonzert f-Moll webte das Festivalorchester eine Art rubinrote  Seidentapete an den Wänden eines intimen Salon-Klangraums, in dem der Solopart besonders schön goldleuchtend hervortreten konnte. Der Kanadier Lisiecki, selber bereits Bernstein-Preisträger, ließ den virtuosen Tastenrausch famos feinmotorisch und unverhallt perlend laufen, zwang im melancholischen Larghetto des Opus 21 das Auditorium zu atemlos andächtigem Lauschen und hatte mit dem dramatischen c-Moll-Nocturne aus Chopins Opus 48 noch ein Zugaben-Ass mit glasklar grollenden Oktavpassagen im Ärmel.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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