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Dialog im Dunkeln

Dona Rosas Fado im Kulturforum Dialog im Dunkeln

Ähnlich wie den Blues, als dessen europäischer Verwandter er gilt, erlebt man den Fado heute meist in verfeinerter Form. Aktuelle Stars wie Ana Moura oder Carminho präsentieren den traditionellen portugiesischen Musikstil so schön und geschmeidig, dass er auch als Hintergrundmusik funktioniert – was nichts Schlechtes heißen soll.

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Einblicke in die Welt des Fado: Sängerin Dona Rosa mit Ines Vaz (Akkordeon) und Raul Abreu (Gitarre).

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Von Dona Rosa, die zwar keinen reinen Fado singt, aber trotzdem als eine der Größen des Genres gilt, lässt sich dies in keiner Weise behaupten. Die Stimme der von André Heller entdeckten Sängerin geht durch dem Hörer unweigerlich durch Herz, Mark und Bein, strahlt eine unglaubliche Präsenz aus und erfordert volle Aufmerksamkeit. Die seit dem Kindesalter blinde Rosa, die ihre Kunst lange Zeit als Straßenmusikerin ausübte, nimmt am Sonntag auf der Bühne im dicht besetzten Kulturforum Platz und lädt ihre Gäste gleich auf mehrfache Weise in ihre Welt ein. Denn der erste Teil des Konzerts findet in völliger Dunkelheit statt, so dass der Hörsinn ganz in den Fokus rückt. Er wird zunächst mit dem Klang der Triangel konfrontiert, mit der Dona Rosa ihren Gesang seit jeher begleitet. Das hell und leise tönende Instrument steht im direkten Kontrast zu dem in jeder Hinsicht intensiven Organ der Sängerin. Rosas Stimme wirkt einfach und komplex zugleich, sie kann mitunter an eine alte Frau erinnern, aber eigentlich genauso an ein Baby. Sie singt von Leid und wirkt dabei doch befreit. Und obwohl sie manche Zeile aus ihrer Kehle regelrecht herauszudrücken scheint, geht doch eine spröde Schönheit von ihren Liedern aus, deren Reiz man sich kaum entziehen kann.

 Allerdings: Während das Gros der Gäste ihr gebannt zuhört, verlassen in der ersten Konzerthälfte auch ein paar von ihnen den Saal – zu starker Tobak. Tatsächlich bieten die eingestreuten Stücke, die von Rosas Mitmusikern allein bestritten werden, auch kleine Ruhezeiten, die man gerne willkommen heißt. Mit seiner milden Stimme bildet Gitarrist Raul Abreu einen schönen Kontrast zu Rosas Klangfülle, auch Akkordeonistin Ines Vaz spielt ihr Instrument auf eine eher sanfte Weise, so dass auf der Bühne ein harmonischer Ausgleich entsteht.

 Während die zweite Konzerthälfte musikalisch nahtlos an die erste anknüpft, geht es optisch nun ganz anders zu. Nicht nur ist die Bühne jetzt beleuchtet, auch verwandelt sich das Konzert nun in eine musikalische Dia-Show über Portugals Hauptstadt Lissabon, die Ulrich Balss, Labelchef von Dona Rosas Plattenfirma Jaro, in seinem Band Lisboa – past & present festgehalten hat. So wandelt sich das Konzert vom Dialog im Dunkeln zu einer farbenprächtigen Reise durch die Heimat des Fado. Das Publikum, das unterstreicht der große Applaus, lässt sich von beiden Konzepten bereitwillig begeistern.

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