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Blau ist ein Nordwort!

Doris Runge liest in Kiel Blau ist ein Nordwort!

Die Farbe Blau taucht in allen ihren Schattierungen auf im neuen Gedichtband von Doris Runge. Vor der Lesung am 4. April im Literaturhaus in Kiel sprachen wir in Cismar mit der Lyrikerin und Landeskulturpreisträgerin über die Gedichte in "Man könnte sich ins Blau verlieben".

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Doris Runge in ihrem Arbeitszimmer

Quelle: Marco Ehrhardt

Cismar. Der Farbe Blau einen ganzen Band zu widmen, die Idee hatte Doris Runge schon länger: „Das Blau wohnt in meinen Gedichten“, erzählt sie beim Küchengespräch. „Und hier taucht es in all seinen Schattierungen auf.“ Gesammelt in verschiedenen Zyklen. Die erzählen von blauen Himmeln und schwarzen Wörtern, vom „Tödlein auf der Gartenbank“, den Geistern von Schottland, Fossilien vergangener Liebe oder auch mal vom Sonntagsmorgentreff: „beim bäcker / mit alf und peter und co / und coffee to go / am stehtisch / die glocken läuten / man geht nicht.“

Blau ist aber auch die Farbe der Poesie seit Novalis, und die einzige, die der große Gottfried Benn darin gelten ließ. Dass der Dichter sie außerdem als „das Südwort schlechthin“ charakterisiert hat, weckte allerdings den Widerspruch von Doris Runge: „Nein, sage ich: Blau ist ein Nordwort! Ich mag auch diese blassen Blautöne, die rasant wechselnden Himmel.“

In ihren bis ins Extrem verdichteten Gedichten trägt jedes Wort Bedeutung, gehen die Begriffe unverhoffte Beziehungen ein. Und im Rhythmus kabbelnder Ostseewellen schlagen die Gedichte voran: „Es schafft neue Perspektiven, bekannte Worte zu neuen Wahlverwandtschaften zu verknüpfen.“ Da führt ein Fahrstuhl in Rapunzels Zimmer, trifft Geistergesang auf Plastikflasche. Doris Runge betreibt Präzisionsarbeit an der Sprache – und das Eigentliche passiert zwischen den Zeilen.

 

Doris Runge: Man könnte sich ins Blau verlieben. Gedichte. Wallstein Verlag, 90 Seiten, 18 Euro. Die Lyrikerin liest am Dienstag, 4. April, 20 Uhr, im Literaturhaus in Kiel, Alter Botanischer Garten, Schwanenweg 13.

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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