17 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Getanzte Sehnsuchtswelten

„Dornröschen“ Getanzte Sehnsuchtswelten

Mit Tschaikowskys Nussknacker gab Yaroslav Ivanenko 2011 seinen Einstand in Kiel, 2013 folgte seine Inszenierung von Schwanensee. Zum Auftakt seiner 5. Spielzeit präsentiert er mit Dornröschen das Märchenballett, mit dem der russische Komponist zu Lebzeiten seinen größten Erfolg feierte.

Voriger Artikel
Von elegant bis explosiv
Nächster Artikel
Der Nachwuchs gab den Startschuss

Der Kieler Ballettchef Yaroslav Ivanenko (im Hintergrund) will den inhaltlichen Facettenreichtum auf seine neoklassisch geprägte Choreografie übertragen.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. „Ich mag Tschaikowsky sehr. Seine Musik ist so reich, dass man vieles darin entdecken kann“, so der Kieler Ballettchef. Tatsächlich geht die Geschichte, die er mit seinem Ensemble erzählen will, über die Version des 1890 in der Choreographie von Marius Petipa uraufgeführten Stückes hinaus. Ivanenko kombiniert sie mit Hans-Christian Andersens Geschichte vom Mädchen mit den Schwefelhölzern, das eine Art Rahmenhandlung bildet. Die Idee dazu war ihm im letzten Winter gekommen, als er seinem Sohn das Märchen vorlas. Überrascht, wie traurig die Geschichte ausgeht, habe er verschwiegen, dass das Mädchen am Ende stirbt. „Ich habe meinem Sohn erzählt, dass es einschläft. Andersens Heldin ist unsere Schlafende Schöne (im Russischen und Englischen ist dies der Titel von Dornröschen). Äußerlich von Armut gezeichnet, ist es in sich selbst reich und schön.“

 In der Kieler Inszenierung träumt das frierende Mädchen sich fort in eine Sehnsuchtswelt, in der es als Prinzessin Teil der höheren Gesellschaft ist. „In der Fantasie kann man sich alles vorstellen und die Musik von Tschaikowsky bietet die Möglichkeit dazu.“ Den inhaltlichen Facettenreichtum überträgt Ivanenko auf seine neoklassisch geprägte Choreografie. Die anfängliche Idee, eine komplett moderne Choreographie zu entwerfen, musste er fallenlassen, denn mit Katherina Markowskaja in der Titelrolle hat er eine Tänzerin vom Bayrischen Staatsballett engagiert, die nicht bei jeder Probe anwesend sein konnte. Da die erfahrene Solistin das Dornröschen bereits in der Choreographie von Petipa getanzt hat, ist ihr Part in der ansonsten mit modernen Elementen durchsetzten Inszenierung nahezu durchgehend klassisch angelegt. „Das war unsere Chance, mit ihr zu arbeiten.“

 Eine Überraschung gibt es bei der Besetzung der zweiten Hauptrolle: Die böse Fee Carabosse wird von Amilcar Moret Gonzalez getanzt. „Die Musik ist so stark, da musste ein Mann die Rolle übernehmen – auch als klarer Gegenspieler zur guten Fee.“ So richtig böse wird der Kieler Carabosse jedoch nicht auftrumpfen. Als Wanderer zwischen den verschiedenen Erzählwelten, die er miteinander verbindet, ist er eher eine mystische Figur. „Wenn er dem Mädchen mit den Schwefelhölzern eine Rose reicht, an der sie sich sticht, ist das auch die Andeutung einer Verführung“, sagt Bühnenbildner Lars Peter. Er hat einen abstrakten Raum geschaffen, der aus der Perspektive des Mädchens als flexibler Rahmen wahrgenommen werden kann, in dem Bilder aus den verschiedenen (Sehnsuchts-) Welten ablaufen.

 Eine bestimmte Deutung seiner Dornröschen-Version will Ivanenko dem Publikum nicht vorgeben. „Ich habe zwar meine Idee von dem, was ich erzählen möchte. Aber wenn mir jemand nach der Aufführung sagt, dass er etwas ganz anderes gesehen hat, gefällt mir das auch.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3