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Fiktion und Wirklichkeit

Dr. Strangelove Fiktion und Wirklichkeit

Ein Präsident außer Rand und Band und ein Nazi als einer seiner engsten Berater, wem das verdächtig bekannt vorkommt, der kann nur an Stanley Kubricks Filmsatire „Dr. Stranglove“ denken - oder doch die US-amerikanische Wirklichkeit?

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Irrsinn im War Room: v. li. Arne Brummerloh, Jana Hanekamp, Mirko Siebert (als Trump), Lotta Schelin, Viola Gollus, Fabian Neumann.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Die Theatergruppe GlasEisenBeton hat in der gut besuchten Hansa48 die 1964 nach einem Roman verfilmte Geschichte über einen eskalierenden Bombenkrieg in die Gegenwart versetzt.

Wie nah dran die Fiktion an der Wirklichkeit ist, lässt einen schon staunen. Originalzitate von Donald Trump stellt Regisseur Sven Heid in seiner Inszenierung neben die Satire aus den 1960ern und siehe da: Alles fügt sich passgenau zusammen. Zählen kann Heid dabei auf eine Truppe von Mitspielern, die das Geschehen zuspitzen. Allen voran Mirko Siebert als schwadronierender Donald Trump mit betoniertem Blondhaar, der gefährlich zwischen dümmlicher Überheblichkeit und plötzlicher Aggression schwankt.

An seiner Seite: Jana Hanekamp als versnobte Präsidenten-Tochter Ivanka, die den Vater wieder zurück in die Bahnen lenkt, wenn er entgleist, und die auch schon mal die gute Gelegenheit nutzt für einen Werbespot, um ihre neueste Schmuckkollektion anzupreisen. Die zweite Blondine im Trump-Trupp gibt Viola Gollus als aalglatte PR-Frau Kellyanne Conway, während Fabian Neumann den General Buck Turgidson als schlicht gestrickten Cowboy spielt. Mit dem von Arne Brummerloh nah am filmischen Vorbild gezeigten Nazi Strangelove, dessen Hand ständig zum Hitlergruß zuckt, kommt (neben Turgidson) eine weitere Figur ins Spiel, die man aus Kubricks Film kennt.

Auch wenn die Inszenierung ein paar Längen hat, überzeugt sie doch mit der bestechenden Idee, die US-amerikanische Realität mit der Fiktion so erschreckend nahtlos zu verschränken.

Weitere Aufführungen am 10. und 11. November in der Hansa48.

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