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In Rausch und Bogen gesungen

Duo Maximilian Lohse/Caspar Frantz: In Rausch und Bogen gesungen

Instrumentales Singen ist eine Disziplin, die längst nicht alle Musiker beherrschen oder zumindest beherzigen. Beim ganz neuen Duo Maximilian Lohse und Caspar Frantz ist diese hohe Tugend schon vom ersten Moment der Beethovenschen Frühlingssonate jedoch zentrales Moment der Interpretation.

Kiel. Da fließen die Melodiezüge wie Lieder ohne Worte wunderbar organisch ineinander und auseinander hervor, da wird innig versunken gesummt (Adagio molto espressivo) und manche Pointe (Scherzo) in gewitzt lebendig phrasierter Klangrede gesetzt. Wenn überhaupt, könnte man sich allenfalls im Finalsatz noch mehr diskursive Auseinandersetzung zwischen den Instrumenten vorstellen.

 Im letzten „Klassisch befügelt“-Saisonkonzert der Musikfreunde, das trotz konkurrierenden Kaiserwetters am Sonnabend in der Ansgarkirche zumindest ordentlich besucht ist, registriert man mit Begeisterung, dass Kiels Erster Philharmonischer Konzertmeister nicht nur als Primarius des Bülow Quartetts kammermusikalische Qualitäten aufweist. Lohses fast immer bemerkenswert reiner Ton ist farbig und flexibel, kann sich in den fassungslosen Verzweigungen von Max Regers düsterer e-Moll-Romanze rotglühend intensiv aufheizen oder in Bachs Cantabile BWV 1019a vibratoarm verschlanken.

 Caspar Frantz’ samtweiches Klavierspiel, das kennt und schätzt man aus dem preisgekrönten Duo mit dem Cellisten Julian Arp, fungiert für die Streicher-Saiten wie ein Medium, ein erweiterter Klangraum. Nirgends wird da selbstsüchtig gedonnert oder zickig auf Kontra geschaltet. Fast zu dezent tragen die Klavierwogen die Violine im Kopfsatz von Brahms’ d-Moll-Sonate auf Händen. Wie dann aber im Adagio gemeinsam philosophiert, im dritten Satz geirrlichtert und im Finale der Risiko-Rausch gesucht wird, ist hinreißend – und findet riesigen Beifall.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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