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„Come On Baby, Let's Groove“

Echtzeit Drum- und Percussion Festival „Come On Baby, Let's Groove“

Bereits zum 2. Mal begeisterte das „Echtzeit Drum- und Percussion Festival“ Fans ungefilterter Beats mit einem randvoll gepackten Wochenende aus Workshops, Meisterklassen und spannenden Konzerten im Kieler Cinemaxx und der IHK zu Kiel.

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Drumbassadors Rene Creemers (links) und Wim de Vries (rechts) aus den Niederlanden.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Und wo sonst die aktuellen Blockbuster über die Leinwand flimmern, boten am Sonnabend großartige Vertreter der internationalen Percussionszene ein Musik-Erlebnis der Sonderklasse.

 Den Startschuss für einen langen Abend gaben Javier Nandayapa, einer der bedeutendsten Marimba-Spieler Mexikos, und seine Ehefrau, die Perkussionistin Mirna Yam. Während Nandayapa elegant traditionelle mexikanische Musik mit zeitgenössischen Klängen und europäischer Klassik verbindet und so den Stücken einen irisierenden Zauber einhaucht, ist die Gattin für die schnellere Gangart zuständig. Mirna Yam bearbeitet nicht nur die hölzerne Beatbox unter sich mit viel Verve. Sie benutzt auch ihren Körper, vorzugsweise die Oberschenkel, als Instrument. Womit sie eine eigenwillige aber aufregende Variante der „Human Beatbox“, die eigentlich im weiteren Feld der Hip Hop Kultur beheimatet ist, präsentiert.

 „Klänge aus einer anderen Welt“ lobte der Sender NDR Kultur einst den Solo-Perkussionisten Mohammad Reza Mortazavi, der als nächster Künstler die Bühne betrat. Das Kompliment greift auf mehreren Ebenen. Die hypnotischen Melodien und Polyphonien, die der Iraner wie durch ein Wunder den traditionellen persischen Handtrommeln Tombak und Daf entlockt, kommen nicht nur geografisch aus einer anderen Kultur, sie entführen auch in Klangwelten, die tatsächlich nicht mehr von dieser Welt zu sein scheinen. Weswegen ein Großteil des hingerissenen Publikums dem Vortrag auch mit geschlossenen Augen folgte. Auf der Bühne selber hätte man indes ohnehin nicht viel sehen können. Denn der Künstler wollte während des Konzerts weder Licht noch Fotos zulassen, um allein seine Musik ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Verständlich, aber dennoch ein wenig schade. Man hätte das traumwandlerisch virtuose Spiel seiner Hände, die das Fell kratzten, leise streichelten, geradezu zärtlich klopften, um an anderen Stelle mit höchster Dynamik und größter Geschwindigkeit „zuzuschlagen“ gerne auch visuell bestaunt. Dafür gab's als Zugabe eine so wohl noch nie gehörte, durchaus augenzwinkernde Variante von Mozarts Zauberflöte. Der Beweis war erbracht. Die Handtrommel eignet sich auch als Melodie-Führer klassischer Kompositionen.

 Für das packende Finale zeichneten anschließend die holländischen Schlagzeuger Rene Creemers und Wim DeVries als „Drumbassadors“ verantwortlich. „Wir wollen die Trommel zum sprechen bringen“ beschreibt De Vries den Ansatz des Duos, das eine Snare, des überraschenden Klangs wegen, auch gerne mal andersherum spielt. An zwei voluminösen und verheißungsvoll glänzenden Drumsets liefern sie eine mitreißende Show. Ein musikalischer Dialog, mal als Kräftemessen, mal als harmonischer Gleichklang. Immer geprägt von höchster Virtuosität, Ideenreichtum, europäischen, afrikanischen und amerikanischen Beats, Witz und ganz viel Swing. So wie bei der Nummer „Come On Baby, Let's Groove“, deren Name Programm war und den voll besetzten Kinosaal ordentlich in Schwung brachte.

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