16 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Gott mehr kann nie schaden

Meeresfilmer Ein Gott mehr kann nie schaden

Am liebsten hat er es, wenn es sich einfach und in allen Farben blau zeigt. Die Rede ist, na klar, vom Meer, das Till Dietsche in vielerlei Hinsicht beschäftigt.

Voriger Artikel
Gepflegte Gespräche
Nächster Artikel
Zaz: Charismatischer Flummi

Meer im Kopf: Till Dietsche pendelt zwischen Kiel und Tainan.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Kiel. Als gebürtigen Kieler schon mal sowieso. Als Sporttaucher, der er seit 20 Jahren ist, auch. Manchmal segelnd, wenn der Kumpel mit dem Boot im Düsternbrooker Jachthafen anruft und sagt: „Du, das Wetter sieht heute gut aus.“ An der Kieler Uni bringt Dietsche außerdem Studenten gerade die Kunst des Meeresfilms bei, und mit Jan-Per Sellmer hat er gerade das erste Meeresfilmfestival (18. bis 21. August) in Kiel auf die Beine gestellt.

 „Ein guter Meeresfilm“, sagt er, „braucht eine gute Geschichte. Und er muss einen Weg finden, das Meer zum Protagonisten zu machen“. Ausgangspunkt für eine kleine Überlegung zum Filmemachen: „Das ist wie beim Surfen – man kann sich den Weg nur zeigen lassen“. Das klingt schon beinahe philosophisch. Und überhaupt hat das Meer ja nicht nur mit Freiheit, Unendlichkeit und Unberechenbarkeit zu tun, sondern auch ziemlich viel mit Zen-Buddhismus. Beim Tauchen zum Beispiel: „Da ist alles aufgelöst: oben, unten, rechts und links“.

 Das Meer hat Till Dietsche auch in Taiwan vor der Haustür, die andere Heimat des promovierten Sinologen und Medienwissenschaftlers. Seit fast 20 Jahren pendelt er zwischen Kiel und Tainan, der ehemaligen Hauptstadt im Südwesten des Inselstaates, lehrt dort und hat das Kurzfilmfestival 39 Stunden gegründet. Asien fand er schon zu Schulzeiten spannend, damals eher Japan als China. Über der Wahl des Studienfachs aber stand irgendwann die rebellische Frage: Was klingt hier am abwegigsten? „Und damals war Sinologie wohl das nutzloseste Fach, das man studieren konnte ...“, schmunzelt er.

 Der Wunsch, die Sprache besser zu beherrschen, brachte den Studenten Mitte der Neunziger nach Taiwan: „Das erschien mir freier als China.“ Eingewöhnungsprobleme? „Null“, sagt er, „mir hat das sofort gefallen – die Wärme, das Gewusel, wie sich das Leben auf der Straße abspielt, der chaotische Verkehr, die Offenheit.“ Zum Beispiel in religiösen Dingen: „Dass in einem buddhistischen Tempel auch mal ein Hindu-Gott herumsteht oder sogar eine Jesus-Statue, stört niemanden, Ein Gott mehr kann ja nie schaden“. Außerdem ist Tainan ein bisschen wie Kiel – „nur mit besserem Wetter“. Und schließlich hat ihn auch das verwirrende, brüchige Identitätsgefüge der Taiwander gereizt – pendelnd zwischen China und Japan, Kommunismus und Kapitalismus.

 Seit einiger Zeit dehnen sich die Heimatbesuche in Kiel wieder etwas in die Länge. Am meisten vermisst er in Taiwan den Wind, der die Luft in Bewegung bringt. Und das Denken vielleicht auch. Möwen, Döner, Fischbrötchen, purzeln noch ein paar andere Sehnsüchte hinterher. Und: „In Taiwan wird unheimlich viel geredet. Da finde ich es gerade super, dass man hier die Zähne nicht so auseinanderkriegt.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3