17 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Panorama des Erwachsenwerdens

"Das Tierreich" im Werftparktheater Ein Panorama des Erwachsenwerdens

"Sommerferien – für Schüler heißt das sechs Wochen Freiheit und endlich Raum für die relevanten Dinge des Lebens! In dem Stück "Das Tierreich", das 2013 mit dem Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin ausgezeichnet wurde, begleiten die Autoren Jakob Nolte und Michel Decar eine Gruppe Jugendlicher während dieser von schulischen Zwängen befreiten Zeit.

Voriger Artikel
Weltumspannende Handlung in langen Sätzen
Nächster Artikel
„Improvisation ist meine Leidenschaft“

Zoomen in Sommerferienszenen: Regisseur Matisek Brockhues und Ausstatterin Sibylle Meyer.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Alles scheint möglich für die Teenies aus einer fiktiven deutschen Kleinstadt. Bis plötzlich das Schicksal in Form eines folgenreichen Autounfalls zuschlägt und die Unbeschwertheit des Sommers auf die Probe stellt.

 Eine griffige Erklärung für den Titel fand Regisseur Matisek Brockhues zunächst nicht. „Schauspielerin Marie Kienecker half uns da auf die Sprünge, die in der Hackordnung und den wechselnden Konstellationen innerhalb der Schülergruppe sofort Parallelen zur Tierwelt erkannte.“ Die Protagonisten sind mit allem befasst, was in ihrem Alter wichtig ist: die Sehnsucht nach Liebe und Aufmerksamkeit genauso wie die Angst vor dem Verlassenwerden. „Ein übergeordnetes Thema ist sicher die Suche nach einem Partner“, sagt Brockhues. Sechs Schauspieler schlüpfen in seiner Inszenierung am Werftpark-Theater in 21 Rollen. Ein buntes Typen-Karussell kommt da zusammen – von Leisetretern und Maulhelden, Punkern und Traumtänzern bis zum politisch Engagierten und zum potentiellen Amokläufer. Die Figuren treffen sich in unterschiedlichen Konstellationen, es bilden sich Freundschaften und Feindschaften, ein Schüler erlebt sein Coming Out. „Es geht in alle Richtungen“, so der Regisseur, der die Gruppe mit einem Ameisenhaufen vergleicht. „Die Gedankenwelt der Figuren, die in Kostüm und Darstellung sehr kräftig gezeichnet sind, reicht von beliebig-belanglos bis beängstigend-gefährlich.“ Wichtig sei es, all diese Gefühle ernst zu nehmen. „Schließlich handelt es sich für jede Figur um existentielle Fragen.“

 Und so wird in dem Stück für Jugendliche ab 14 Jahren ein Panorama des Erwachsenwerdens gezeichnet. Sybille Meyer hat dafür einen ungewohnt weit geöffneten Bühnenraum geschaffen. Von schäbigen weißen Wänden und Kabinentüren umstellt, die genauso an Turnhallen wie an Umkleiden im Freibad erinnern, sind hier viele Spielorte möglich – ob Eisdiele, Schultreppenhaus oder Probenraum der Mädchenband. „Wir wollten eine Situation schaffen wie unter dem Mikroskop, wo man sich an den Ameisenhaufen heranzoomen und einzelne Momentaufnahmen herauspicken kann“, erzählt die Bühnenbildnerin. Ermöglicht wird dieser „Zoom“ durch eine zweite Spielebene im hinteren Bereich, die durch einen Vorhang abgetrennt werden kann und bei bestimmter Beleuchtung transparent wirkt. Die zeichenhafte Minimierung des Bühnenbildes, das mit wenigen Requisiten auskommt, ist wichtig für den Spielfluss, den Brockhues möglichst leicht halten will. Dabei werden einzelne Erzählstränge wiederholt aufgegriffen und zusammengeführt. „So werden zwar Entwicklungen erkennbar, doch am Ende ist klar, dass alles weitergeht wie bisher. Das Stück ist nur ein Ausschnitt, herausgepickt aus einem Sommer.“

 Theater im Werftpark, Premiere Sonnabend, 20 Uhr, Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3