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Am Kieler Haus wachsen

Hye Jung Lee singt am Sonntag die Gilda Am Kieler Haus wachsen

„Die beeindruckendste Sängerin war Hye Jung Lee, die Sopranistin.“ Mit diesen Zitat wird der Besucher der Website der koreanischen Koloratursopranistin empfangen, die seit der Spielzeit 2015/16 fest zum Ensemble der Kieler Oper gehört. Sie dürfte hier die einzige sein, die mit einem Lobpreis der „New York Times“ aufwarten kann – der die heute 33-Jährige mehrfach positiv auffiel, als sie noch in den Staaten lebte.

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Wurde schon an der San Francisco Opera und in der Carnegie Hall gefeiert: Hye-Jung Lee im Kieler Opernfoyer.

Quelle: Oliver Stenzel. ost

Kiel. „Es war eine tolle Zeit, aber nach einigen Jahren wollte ich unbedingt nach Europa wechseln, um mich in mein Repertoire an den Orten vertiefen zu können, an denen es entstanden ist“, sagt Lee, die in den USA unter anderem für ihre Papagena an der Florida Grand Opera oder ihre Olympia an der San Francisco Opera gefeiert wurde. Auch auf der Bühne der legendären New Yorker Carnegie Hall hat Hye Jung Lee schon mehrfach gestanden. In Kiel beglückte sie das Publikum zugleich bereits gastweise als Zerbinetta in Richard Strauss’ Ariadne auf Naxos. Das vor diesem Hintergrund an sie herangetragene Angebot, in die Landehauptstadt zu wechseln, nahm sie sofort an – und führt dafür seither sogar eine transatlantische Fernbeziehung zu ihrem Ehemann, einem koreanischen Tenor, der noch in Staaten studiert und im nächsten Jahr nachkommen will.

 „In Amerika muss man sich für jede Rolle neu bewerben. In Deutschland bietet eine Festanstellung im Ensemble einer Sängerin wie mir die hervorragende Chance, sich kontinuierlich zu entwickeln und am Haus zu wachsen“, antwortet Lee auf die Frage, was sie an ihrem Engagement besonders reize. Und in der Tat „wächst“ die Koloratursopranistin hier mit rasanter Geschwindigkeit. In ihrer ersten Spielzeit sang sie bereits Paraderollen ihres Fachs wie die Susanna in der Hochzeit des Figaro und die Königin der Nacht, überdies war sie als Amor in Orpheus und Euridyke und als Woglinde im Rheingold zu erleben.

 Die Gilda in Verdis Rigoletto, die sie hier zum allerersten Mal singt, zähle zu ihren großen Traumrollen, bekennt Lee: „Gerade als Koloratursopranistin reizt mich eine Figur, die so intensiv fühlt und agiert. Allerdings muss man vor lauter sängerischen Emotionen aufpassen, dass man die Technik nicht aus den Augen verliert.“

 Diese Gefahr dürfte bei der für ihre extreme stimmliche Beweglichkeit und Höhensicherheit bekannten Sängerin allerdings nicht wirklich bestehen. Angefangen hat sie in ihrer Heimat ursprünglich mit dem Klavier, das ihr allerdings so wenig zusagte, dass zum Ausgleich irgendwann der Gesangsunterricht dazukam. „Dabei wurde schnell klar, dass es mir leicht fällt, in die Höhe zu kommen und Koloraturen zu singen“, erinnert sich Lee, die das Repertoire des lyrischen Soprans ursprünglich interessanter fand. „Aber natürlich bin ich auch schon immer ein Riesenfan von Sumi Jo gewesen, die für uns alle ein Rollenmodell ist. Und die ist ja auch ein Koloratursopran!“

 Dass die bekannteste koreanische Sängerin wie ihr Fan aus Seoul stammt, passt dazu natürlich gut. Lee selbst schafft es derzeit nur noch einmal im Jahr, ihre Heimat zu besuchen. Dafür aber komme ihre Mutter oft nach Kiel – und zähle auch am Sonntag selbstverständlich zu den Rigoletto-Premierengästen.

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