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„Ich liebe es, mit dem Lachen zu spielen“

Ein Gespräch mit Helena Bergström „Ich liebe es, mit dem Lachen zu spielen“

In Schweden ist Helena Bergström ein Star, aber auch hierzulande mit Komödien wie „Schwedisch für Anfänger“ bekannt. Mittlerweile steht die in Göteborg geborene Schauspielerin auch hinter der Kamera, in Lübeck präsentiert sie heute ihren vierten Spielfilm „Eine schöne Bescherung“ – ab 22. Dezember auch in Deutschland im Kino.

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Regisseurin mit Händchen für Komödie: Helena Bergström am Set.

Quelle: Alexander Kallas

Lübeck. Sie erzählen in ihrer Komödie von einer ungewöhnlichen Patchwork-Familie, die Weihnachten leise implodiert – wie sind Sie darauf gekommen?

 Es ging los mit zwei Freunden, mit denen ich schon lange arbeite. Daniel kenne ich vom Theater. Und Edward habe ich getroffen, als ich ein paar Bühnensketche für den Eurovision Song Contest gemacht habe; er hat dort Regie geführt. Beide sind schwul und hatten Idee des schwulen Paares mit Kinderwunsch. Ich fand es spannend, und dann haben wir angefangen zu schreiben.

 

 Kam so der Rest der Familie dazu, mit einem griechischen Schwiegervater und einer Ex-Frau mit jugendlichem Liebhaber?

 Mir ging es weniger um das schwule Thema – ich wollte einfach einen Film machen über die Vielfalt der Persönlichkeiten, ihrer Hintergründe und Kulturen. Außerdem wollte ich die unterschiedlichen Muster innerhalb der Familien von Simon und Oscar zeigen.

 

 Sind Familien für Sie ein Dramenschauplatz?

 Aber sicher. Gerade zu Weihnachten – da spielt ja meine Geschichte. Dieser Tag ist so aufgeladen mit Erwartungen: Du sollst fröhlich sein, alle sollen sich vertragen. Das ist doch die perfekte Folie, um ein Drama zu kreieren.

 

 Die Eltern von Oskar kommen mit der Situation überhaupt nicht klar.

 Nein, sie kommen aus einer schwedischen Kleinstadt und sind völlig überfordert. Sie haben einfach nur Angst, anders als die anderen zu sein und verheddern sich in ihren Vorurteilen. Da bin ich gern eingestiegen. Denn was wir sagen, ist oft etwas ganz anderes als wir fühlen. Diesen Zwiespalt wollte ich zeigen. Es ist sozusagen das schwedische Gewissen, aus dem ich hier eine Komödie mache.

 

  Die entwickelt sich sehr slapstickhaft, aber der Vater, der den schwulen Sohn nicht akzeptiert, zerbrochene Ehen, vernachlässigte Kinder – das ist ja eigentlich alles ziemlich ernst ...

 Stimmt, die Botschaft ist hart. Aber ich überlege immer, wie kann ich das erzählen? Wie kriege ich das Publikum? Ich versuche, über das Lachen dem Weinen nahezukommen. Es gibt da eine Szene mit Oskars Eltern, in der Ulf (gespielt von dem „100-Jährigen“ Robert Gustafsson) seine Frau tritt. Das beginnt als purer Slapstick und wird dann verstörend gemein. Ich liebe es, so mit dem Lachen zu spielen – und der Komik eine Botschaft einzuziehen.

 

  Im Film blinkt und glitzert es, was das Zeugt hält – ganz im Gegensatz zu den Seelenlagen der Protagonisten.

 Ich wollte diese Übertreibung. Denn Simon und Oskar sind so bemüht, alles richtig und alle glücklich zu machen, dass sie übers Ziel weit hinausschießen.

 

  Ihre Bandbreite reicht vom Königlichen Schauspiel Dramaten bis zum Eurovision Song Contest?

 Ja, natürlich. Eurovision ist in Schweden eine Riesennummer. In Deutschland doch auch, oder? Außerdem gibt es in Schweden eine ziemlich harte Trennung von Hoch- und Unterhaltungskultur. Ich halte mich gern dazwischen auf. Ich habe im Theater Medea gespielt, Blanche aus „Endstation Sehnsucht“ und – als einzige weibliche Darstellerin in Schweden – auch Hamlet. Aber immer bin ich es, die das spielt – mit derselben Energie, derselben Leidenschaft. Und vielleicht auch derselben Ironie.

 

  Im Film spielen Sie die Mutter von Simon, die ihren jungen Geliebten mitbringt.

 Es war einfach eine Nebenrolle, bei der ich dachte, da kann ich meine Schauspieler-Erfahrung nutzen. Ich komme aus einer Schauspieler-Familie, habe mit 18 angefangen zu spielen und habe das einfach in meinen Knochen. Es war aber auch ziemlich lustig, dann wieder in die Regie-Rolle zu schlüpfen und auf High Heels über den Set zu rennen.

 

 Stehen Sie lieber vor der Kamera oder dahinter?

 Je öfter ich Regie führe, desto mehr wird mir klar, dass es mir am Schneidetisch am besten gefällt. Ich liebe das, das ganze Material zu meinem eigenen Gemälde zu verbinden. Mittlerweile bin ich wohl mehr Regisseurin, aber ich mag es eben, das von Zeit zu Zeit mit dem Spielen aufzubrechen.

 

  Sie arbeiten seit 25 Jahren mit ihrem Mann, dem britischen Regisseur Colin Nutley. Binden Sie ihn ein?

 Wir haben eine spezielle Energie, es kann sein, dass wir im Restaurant sitzen, seltsame Leute sehen und schon sprudeln die Ideen. Ich mag diese Grauzone zwischen Privat- und Berufsleben. Aber wenn er Regie führt, dann halte ich mich raus. Und auch ich mache mein eigenes Ding. Diesmal aber habe ich ihm die erste Schnittfassung gezeigt – und er kam mit seinem frischen Blick dazu; das hat mir sehr geholfen.

 

 Filmpremiere mit Helena Bergström, bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck, heute, Fr, 19.15 Uhr. 5. Nov., 16 Uhr; 6. Nov., 10.30 Uhr. Karten Tel. 0451/7030102

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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