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Grazile Gazellen, große Giraffen

Museumsberg Flensburg Grazile Gazellen, große Giraffen

Grasende Giraffen, Gazellen gruppenweise, auffliegende Vögel, Schmetterlinge aus Papier und Hasen an der Wand: Der Museumsberg Flensburg landet mitten im Tierreich in seiner neuen Ausstellung der Bildhauerin Sina Heffner.

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Tierformen allenthalben: „Schatulle“ nennt Sina Heffner diese raumgreifende Installation aus Aluminium und Styropor.

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Flensburg. Bestritten wird sie von der 35-jährigen Braunschweiger Bildhauerin Sina Heffner, die nicht nur das Glück hat, im Norden ihre erste Einzelausstellung im Museum zeigen zu dürfen, sondern mit Kunst & Co und dem Sønderjyllands Kunstmuseum in Tondern gleich zwei weitere Orte bespielen darf.

 Dafür muss es gute Gründe geben, denn ihr Name hat noch keinen Klang im Norden. Der begeisterungsfähige Museumsberg-Direktor Michael Fuhr sei trotzdem gern einer Initiative von Kirsten Piper nachgekommen, die seit drei Jahren den Kunstverein Kunst & Co in der Flensburger Innenstadt leitet und als Museumspädagogin auf dem Museumsberg arbeitet. Die Räume des Heinrich-Sauermann-Hauses mit der ansehnlichen Naturwissenschaftlichen Sammlung im Erdgeschoss sind als Ort für die raumgreifenden Skulpturen und Wandreliefs, für die feinen Scherenschnitte und zarten Aquarelle der Bildhauerin gut gewählt.

 Sina Heffner, die an der Kunsthochschule in Braunschweig Bildhauerei studiert hat und seit 2005 freischaffend arbeitet, hat ihr Thema gefunden. Tiere, sagt sie, übten seit ihrer Kindheit Faszination auf sie aus. Vielleicht lag’s am Landleben, „nein, nicht auf dem Bauernhof, aber eben dörflich“, baut Sina Heffner allzu geradlinigen biografischen Beweggründen vor. Das Tier könne als allgemeinverständliche Sprache benutzt werden, sagt sie. Sein Bild sei schließlich in jedem von uns verankert. Und weil das so ist, „weil wir mit Tieren schon im Kinderbuch sozialisiert werden“, so Michael Fuhr, kann getrost allerhand weggelassen werden. Farbe zum Beispiel, auf die Sina Heffner konsequent verzichtet. Schneeweiß ist ihre viereinhalb Meter hohe Giraffe mit den akrobatisch gespreizten Beinen, die an exponierter Stelle in Wolfsburg weiden darf und in Flensburg verständlicherweise nur in einem Diorama an der Wand stakst.

 Weiß auch die Wandarbeit unter dem Titel Wolkenzug, die ausgehend von der Fläche gleichsam vogelfrei in die Lüfte aufbricht. Holz, Papier, Leim und Farbe sind das Material für solche Arbeiten, die das Gemachte nicht verleugnen wollen. Trotz mutiger Dimensionen und sicherer Beherrschung bildhauerischer Grundlagen haftet manchen Arbeiten etwas Didaktisches, absichtsvoll Zugängliches an. Da überrascht es kaum, dass Sina Heffner in Niedersachsen mit zahlreichen Kunstprojekten im öffentlichen Raum präsent ist – Tier geht zwar nicht immer, aber vielleicht stellenweise besser. Überzeugender wird es immer dort, wo Sina Heffner mit ihrem Thema freier und experimenteller umgeht und sich am Ende tierische Assoziationen ganz verlieren oder sich wie in den Papierschnitten luftig-poetisch andeuten.

 Grenzwertig und allzu hübsch wird es aber leider dort, wo die Arbeiten entschieden ins Dekorative abdriften wie bei ihrem Paravent aus sieben Gazellen. Die überlebensgroßen Tiersilhouetten aus weiß lackiertem Multiplex sind wie im Möbelbau mit sichtbaren Scharnieren verbunden und gehen wohl eher als Designobjekte durch denn als autonome Kunstwerke.

 Während Kunst & Co mit Modellen den Blick in die Ideenwerkstatt der Bildhauerin ermöglicht, wird das Museum in Tondern mit großen Formaten aufwarten. Gefördert wird das Projekt grenzüberschreitend von Interreg und Kulturplus. Vorgängerausstellungen dieser deutsch-dänischen Reihe bestritten mit dem Kieler René Goffin (2011) und der Kopenhagenerin Inge Lise Westman (2014) allerdings zwei Künstler, deren Werk gewichtigere Argumente für eine museale Doppelschau lieferte.

www.museumsberg.de

www.museum-sonderjylland.dk

www.kunst-undco.org

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