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Magische Momente im Hafen

„Elbjazz“-Festival in Hamburg Magische Momente im Hafen

Mal melodisch oder traditioneller, mal elektronischer oder experimenteller: Über 50 Künstler zeigen beim „Elbjazz“, wie vielseitig Jazz ist. Und das vor einer Kulisse, von der andere Festivals träumen.

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Der jamaikanische Pianist Monty Alexander auf dem ElbJazz Festival in Hamburg.

Quelle: Markus Scholz/ dpa

Hamburg. Die gewaltigen Kräne leuchten im Scheinwerferlicht am Nachthimmel. Eine Diskokugel baumelt an einem Stahlträger und wirft buntes Licht auf die Container, im Hintergrund sind die Umrisse Hamburgs erkennbar. Die Kulisse des „Elbjazz„-Festivals ist magisch.

Dazu kommt Musik, die mal entspannt und melodisch ist, mal elektronischer oder experimenteller. Die Vielseitigkeit des Jazz wird wohl selten so deutlich wie zwischen Werftgelände und Hafencity. Zehn Bühnen sind im ganzen Hafengelände verteilt, über 50 Musiker und Bands treten auf. Boote bringen die Zuschauer vom Elbufer zum Hauptgelände bei Blom + Voss.

Die große Bühne gehört zur besten Zeit den Jazz-Ikonen. Sängerin und Grammy-Gewinnerin Dee Dee Bridgewater zieht die Zuschauer sofort in ihren Bann, Altmeister Monty Alexander legt am Samstag mit dem „Harlem Kingston Express“ nach. Auf den Nebenschauplätzen sorgen Ed Motta, Stacey Kent und Rolf Kühn für feinsten Jazz. Und Stammgast Michael Wollny, am Donnerstag noch mit zwei Echo Jazz ausgezeichnet, fehlt natürlich auch nicht.

Während der Pianist gemeinsam mit Tamar Halperin in der St. Katharinenkirche spielt, kommt bei Blom + Voss mit „LaBrassBamba“ Partystimmung auf. „Wir machen bayerischen Blas-Punk, das gibt's auf der Welt noch nicht“, erklärt die Band und klingt manchmal nach einer gelungenen Mischung aus Blaskapelle und „Beastie Boys“.

Kontrastprogramm gibt es in der Alten Maschinenbauhalle. 110 Jahre ist das Gebäude alt und hat seinen ganz eigenen Charme. Die NDR Big Band spielt hier mit Django Deluxe auf und die Zuschauer drängen sich am Eingang. Grandios wird es danach mit „Marc Ribot's Ceramic Dog“, die nach einem Open-Air-Auftritt noch einmal in der Halle nachlegen.

Doch es sind nicht nur bekannte Namen, die die 15 000 Zuschauer anlocken sollen. Das Festival will auch jungen Talenten und experimentierfreudigen Musikern einen Rahmen bieten — in ungewöhnlicher Umgebung. Dazwischen gibt es Video-Installationen und Ausstellungen, die Nächte klingen in den Clubs aus. So machen sich mit Bus oder Barkasse auch viele jüngere Zuhörer auf, um Neues zu entdecken.

Am intimsten ist die Atmosphäre wohl im Hansahafen. Die Kräne sind hier kleiner, die Bühnen auch. Während draußen bereits abgebaut wird, spielen am Samstagabend im Hafenmuseum Verneri Pohjola und Aki Rissanen. Nur wenige Zuschauer sind um kurz vor Mitternacht noch herausgefahren und sitzen nun zwischen den Exponaten. Es duftet nach alten Holzkisten, hinten verkaufen Frauen belegte Brote und warme Getränke. Eigentlich sollte der US-Trompeter Jon Hassell hier den Abend ausklingen lassen — doch als er ins Krankenhaus eingeliefert wird, springen die finnischen Musiker kurzfristig ein.

Ein anderer Norweger liefert auf der Bühne „Am Helgen“ gewohnt schöne Klänge: Der Gründer der norwegischen Gruppe „Kings of Convenience“ und Kopf von „The Whitest Boy Alive“. Erlend Oye lebt mittlerweile auf Sizilien, singt auf Italienisch und Englisch und ist mit der isländischen Band „The Rainbows“ unterwegs. Eine Mischung, die sehr tanzbar ist und nicht nur den Musikern sichtlich Spaß macht. „Vor dem Konzert dachte ich, dass das ein reichlich kühler Abend ist — das fühle ich jetzt nicht mehr“, sagte Oye und singt glatt noch die geforderte Zugabe: „Do we really have to say goodbye?“.

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