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Witzig, wuchtig, Wahnsinn, Wilwarin

Ellerdorf Witzig, wuchtig, Wahnsinn, Wilwarin

Ach, was war es wieder schön: Das unvergleichliche Wilwarin Festival bot 5000 bunten Individualisten eine liebevoll dekorierte Fläche zum Feiern in einer alternativen Gemeinschaft. Tanzen vom Pogo bis zum trauten Paartanz war oberstes Gebot zur Musik von Charmeuren und Halunken von Swing bis Hardcore.

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Leuchtfeuer beim Auftritt der Antilopen Gang: Beim Song „Beate Tschäpe hört U2“ wurden bengalische Fackeln gezündet.

Quelle: Kai-Peter Boysen

Ellerdorf. Ein freundliches Hallo von barfüßigen Crewmitgliedern, Eintauchen in eine besondere Atmosphäre aus Offenheit, Gelassenheit und Professionalität, denn irgendwie scheint das Festival einfach so zu laufen. Check-in der Gäste und Künstler, Auf- und Abbau auf den fünf Bühnen, Nachschub für die Essensstände und die Tresen, Füllen der Wassertanks, auf dem Gelände kaum wahrnehmbar die Security, die sich unters bunte Volk mischt. Selbstbemaltes, Selbstgebautes- und gebasteltes, und überall Musik, von 15 Uhr bis zwei Uhr am nächsten Morgen, die keine Wünsche offen lässt. Vor der Reggae-Stage tanzt man barfuß im Sand, ein Totempfahl begrüßt die Besucher vor der stets ordentlich besuchten Electro-Stage, der Secound Ground ist überdacht, die Bühne nahezu ebenerdig. Das ist sehr förderlich für hitzige Partyatmosphäre, die dort durchgehend herrscht, egal ob am Freitag die Beatbox-Europameister Babeli & Aerodice abliefern, die französischen Hardcore-Punks Tagada Jones ein Feuerwerk zünden, die wunderbaren Hamburger Fuck Art, Let’s Dance sicher zwischen Coldplay und Bloc Party schippern oder abends die französische Band Ginkgoa eine betörende Electro-Swing-Show zelebriert.

Ebenso bunt und international ist der Mix auf der Main Stage, auf der die Bastards On Parade aus Galicien ihr Folk-Punk-Verständnis darlegen, Les Yeux De La Tete aus Paris zu Klarinette, Saxofon und Akkordeon den Sinti-Swing von der Straße auf die Bühne heben oder die Antilopen Gang mit Songs wie Beate Zschäpe hört U2 das Publikum so begeistern, dass dort sogar Bengalos gezündet werden. Auf dem Campinggelände stehen eine Halfpipe und daneben die Skater-Stage, auf der unter anderem die Finnen Speedtrap eine giftige Vollgasmetal-Performance in die Bretter hämmern.

Kleinkinder, gescheitelte Teens, Punks, Freaks und Althippies feiern ein Wilwarin Festival, das schon im Vorfeld ausverkauft war, denn eine solche Atmosphäre sucht seinesgleichen. Hier trägt der Pauli-Fan ein Diadem, hier steckt sich auch der Metalhead eine Feder an die Basecap. Hier gibt’s beim Team von Corner T-Shirt-druck für lau. Hier hat Bingo ebenso ein Zuhause wie der Poetry-Slam, hier inszeniert der etwas andere Schlagerstar Christian Steiffen eine Polonäse, hier darf Screams TV’s Avery von der Bluegrass-Punk-Haudegen-Band Goddamn Gallows aus Detroit das Publikum mit Bier bespucken, wenn er denn dafür kopfüber von der Decke baumelnd sein Waschbrett spielt. Rhythmus überall, da haben es die schwedischen Punks der Satanic Surfers mit ihrem Hochgeschwindigkeitspunk am Sonnabendabend nicht ganz leicht, aber auch sie finden ihr Pogo-Publikum, während auf dem Second Ground die russischen Antifa-Hardcore-Rapper Moscow Death Brigade mit Sturmhauben vermummt ein munteres Crowdsurfing initiieren.

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