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Cyrille Aimée ganz leicht und sonnig

Kunstflecken-Festival Cyrille Aimée ganz leicht und sonnig

Einem 32-jährigen Stimmwunder bleibt es vorbehalten, zum Ende des Kunstflecken-Festivals in Neumünster noch einmal ein Ausrufezeichen mit Sternchen zu hinterlassen: Cyrille Aimée.

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Als Stimmwunder in der Werkhalle Neumünster gefeiert: Cyrille Aimee, hier mit Dylan Shamat am Kontrabass.

Quelle: Manuel Weber

Neumünster. Das Gold in ihrer Kehle, ihre Leichtigkeit und fröhliche Ausstrahlung auf der Bühne und nicht zuletzt eine exzellente Begleitband werden am Ende in der ausverkauften Werkhalle mit tosendem Applaus gefeiert. Die Jazzfestivals auf der ganzen Welt reißen sich gerade um diese bereits mit Musik-Auszeichnungen reichlich dekorierte Sängerin. Und wer sie live erlebt, der weiß auch warum. Ihre herzöffnende Art haucht jedem Song eine mächtige Vitalität ein, ganz egal, ob Ballade oder Jazzstandard. Wenn die in Brooklyn lebende Persönlichkeit erst einmal auf Touren kommt, ist sie kaum noch zu bremsen. Und genau diese Freude an der Performance steckt auch ihr so viel Groove produzierendes Begleitquartett an. Adrien Moignard an der akustischen Gitarre, Michael Valeanu an der E-Gitarre, Dani Danor am Schlagzeug sowie Dylan Shamat, der seinen Kontrabass auch schon mal wie ein schwermütiges Cello klingen lässt, tragen mit ihren wohl akzentuierten Soli, die nie überbordend ausschweifen, ebenso zu einem kurzweiligen Konzertabend bei.

 Aimée schafft es, jedes Stück zu einem Erlebnis voller Leidenschaft zu machen, wenn sie sich mit ihrer durchdringenden Stimme in melodiöser Scat-Manier auf einen gesanglichen Kurztrip begibt und dann das Publikum in ihren Bann zieht. Mit Superlativen sollte man sparsam umgehen, doch war Ella Fitzgerald stilprägend für das 20. Jahrhundert, so besitzt der aufstrebende Jungstar mit französisch-dominikanischen Wurzeln die Gabe, diesem Jahrhundert einen besonderen Stempel aufzudrücken. Die moderne Technik einer Loop-Station erlaubt es ihr dabei, als Solistin auch einmal auf ihre Band zu verzichten, wenn sie Make You Dance mit einem Sammelsurium an Sound- und Voiceschleifen anstimmt. Überwiegend ist ihr Programm in zwei Sets mit Songs ihres in diesem Jahr erschienenen Albums Let’s Get Lost gefüllt. Das Titelstück hat sie sich dabei bis zur letzten Zugabe aufgespart.

 Ob auf Spanisch, Französisch oder Englisch, die Bandbreite ihrer Songs repräsentiert auch einen Hauch Weltmusik. Dabei blitzt ihre Vorliebe zum Gypsy-Jazz ebenso auf wie die eingestreuten Abstecher zum Latin Bossa. Lieder aus der eigenen Feder begeistern dabei ebenso wie einige spannende und innovative Coverversionen. So nehmen Aimée & Co. sich beispielsweise Off The Wall von Michael Jackson an, aber auch Well You Needn’t von Thelonious Monk, dem Peggy Lee-Klassiker It’s A Good Day oder T’es Beau Tu Sais von Edith Piaf. Besonders die Vielseitigkeit von Pop bis zum Chanson ist dabei eine Trumpfkarte der Jazz-Verpackungskünstlerin mit dem sonnigen Gemüt. Die am Ende von Festival-Chefin Johanna Göb an die Musiker verteilten Sonnenblumen hätten das dargebotene Musikpaket jedenfalls kaum treffender kennzeichnen können.

 8000 Besucher in 24 Tagen

8000 Menschen haben die Kunstflecken-Veranstaltungen und -Ausstellungen in den vergangenen 24 Tagen besucht. Gut die Hälfte der Veranstaltungen war in kurzer Zeit ausverkauft, bilanzierte gestern Festivalleiterin Johanna Göb: „Aus zahlreichen Rückmeldungen wissen wir, welche Bedeutung der Kunstflecken inzwischen für viele Neumünsteraner gewonnen hat. Sie sind stolz darauf, dass sich ihre Stadt nicht nur als wichtiger Kulturort in Schleswig-Holstein präsentiert, sondern auch als offen und international, mit einer langen, stolzen Geschichte.“ Der 19. Kunstflecken ist vom 8. September bis zum 1. Oktober 2017 terminiert.

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