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Erheiternd Scheitern an allerlei Widrigkeiten

Horst Evers in Kiel Erheiternd Scheitern an allerlei Widrigkeiten

Der Programmtitel solle vor allem neugierig machen – auch ihn selbst, schickt Horst Evers voraus. Das dürfte ihm mit „Der Kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“ gelungen sein. Aber alle Plätze im großen Saal des Kieler Metro-Kinos wären am Mittwoch und Donnerstag auch dann besetzt gewesen, wenn Evers sein neues Programm „Neues Programm“ getauft hätte.

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Der Programmtitel solle vor allem neugierig machen – auch ihn selbst, schickt Horst Evers voraus.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Denn die Leute hier wissen, was sie bei dem kulleräugigen Mann mit dem notorisch roten Hemd erwartet: lauter meist höchst amüsante, ins Aberwitzige gezwirbelte Alltagsgeschichten.

Immanuel Kant, der „heute wahrscheinlich einen Blog schreiben würde, den keiner liest“, habe da ja einen wichtigen und richtigen Gedanken gehabt, als er den berühmten Satz schrieb: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Könnte man laut Evers auch runterbrechen auf „überleg halt, was du tust und das möglichst, bevor du es tust“ oder auf „handle verantwortungsbewusst“. Erst kürzlich habe er mit einem alten Freund in der Kneipe gesessen, der wegen seiner früheren Verantwortungslosigkeiten kiloweise Asche auf sein Haupt häufte, doch heute viel verantwortungsbewusster agiere. Und dann habe dieser Freund plötzlich erzählt, er fahre auf Autobahnen immer möglichst dicht an die Fernbusse ran, um deren freies WLAN zu nutzen.

 In jungen Jahren hat Horst Evers sich die Zukunft als eine Zeit voller faszinierender technischer Errungenschaften vorgestellt, heute herrsche ja vielerorts Endzeitstimmung. „In der Nähe von Berlin haben wir ein großes Testgelände, wo gezeigt wird, was technisch alles nicht möglich ist.“ Er habe im neuen Programm zwar eigentlich nicht mehr über den Berliner Flughafen (BER) reden wollen, aber just zum Premierenabend sei die Meldung gelaufen, dass die Entrauchungsanlage zu schwer für das Hallendach ist. Eigentlich sei das gut gedacht: Wenn bei einem Brand das Hallendach einstürzt, gibt es eine sofortige „Notfallentrauchung“. Leider auch kostenintensiv, man braucht immer ein neues Dach. Und früher habe man lange gemeckert, dass der BER kein Dach habe, aber auch das sei vorausschauend gewesen, denn dann wäre der jetzt notwendige Austausch von 600 unbrauchbaren Brandschutzwänden viel einfacher.

 Ob Pro-Wolfs-Gedichte für eine brandenburgische Tourismusbroschüre oder Poeme über „Ach-so“-Orte (weil man „ach so“ sagt, wenn man da ist und weiß, warum einen andere gewarnt haben) wie Wilster, ob trübe Momente in Beige statt in Grau, Polizisten als verhinderte Bauchredner oder auch das von Evers neuerdings praktizierte „Ultimate Windsurfing“, das einfach nur so in Zugluft stehen ohne Segel und Brett: Nur wenige scheitern so erheiternd an Widrigkeiten oder landen so sprachlich wohlgesetzt in Fettnäpfen wie Horst Evers.

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