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Neues Blut und die Kunst des Zitats

Erik Cohen und sein zweites Album Neues Blut und die Kunst des Zitats

Reger Betrieb im Schiffercafé am Holtenauer Tiessenkai. Im hinteren Gastraum sitzt Erik Cohen, den man auch als Sänger der Kieler Hardcore/Punk-Band Smoke Blow kennt und der im Brotberuf als Erzieher arbeitet, und redet über sein neues Album „Weisses Rauschen“.

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Mit Klapprad am Tiessenkai: der Kieler Sänger und Songschreiber Erik Cohen.

Quelle: mwe: Manuel Weber

Kiel. Seit wann agierst Du im Bereich der Lärmbekämpfung?

 Erik Cohen: Der was?

 

 Der Lärmbekämpfung.

 Du meinst im Kindergartenbereich?

 

 Ich meine weißes Rauschen. Wird ja in der Psychoakustik eingesetzt, um Lärm zu überlagern, der dann als nicht so störend empfunden wird.

 Okay, gut, das haut natürlich hin. Ich habe drei kleine Kinder und vor 15 Monaten noch mal Nachwuchs bekommen, einen kleinen Quälgeist, und habe mich mit einer befreundeten Mutter unterhalten über Babys. Sie hat vorgeschlagen, guck’ doch mal bei Youtube, Weißes Rauschen, da werden Geräusche im Mutterbauch simuliert, um Babys zu beruhigen. Den Begriff finde ich toll, und er passt zum Entstehungsprozess des Albums.

 

 Inwiefern?

 Der war sehr harmonisch, sehr wohlig, sehr warm im Vergleich zum ersten Album oder den älteren mit Smoke Blow.

 

 Weißes Rauschen soll ja auch hirnstimulierend wirken ...

 Dann war’s das jetzt definitiv. Die Ideen sind gesprudelt, ich habe meinen Sound gefunden, den ich auch selber gerne höre. Ich habe das Album jetzt rund 200 Mal gehört und höre es sogar abends beim Einschlafen.

 

 Also keine schwierige Geburt?

 Ich habe angefangen mit der ersten Zeile „die Radiostation aus dem Off, sendet immer noch“ aus dem Song „Neues Blut“, dann lief alles ganz organisch, auch mit den Musikern. Ich habe genau zehn Songs für das Album aufgenommen, ein immens hohes Risiko, da darf dir kein Song abrauchen.

 

 Auf der neuen CD, etwa im Lied „Neues Blut“, wenn „das Meer den Strand frisst“, auch vor einem Jahr auf dem Solo-Debüt „Nostalgie für die Zukunft“ finden sich viele maritime Motive. Eine blauer Faden?

 Vielleicht, aber nicht mit Kalkül. Ich bin nicht der maritime Künstler, das kann auch beim nächsten Album ganz anders sein. Ich schreibe intuitiv, was Wochen, Monate dauert, und lasse mich treiben.

 

 In „Neues Blut“ geht es ...

 ... um die Neuerfindung eines Künstlers, um Selbstzweifel. Ich komme aus dem Punk/Hardcore-Underground und habe meinen Stil um 180 Grad gedreht. Damit stößt du auch auf Unverständnis bei den Leuten, manchmal Wut, sogar Hass. Da ist eine große Angst, dass sich der Künstler verkaufen will. Ich bin künstlerisch immer auch geplagt von Selbstzweifeln, von Angst. Ich war nie hundertprozentig glücklich mit meinen Alben, auch denen mit Smoke Blow. Das ist bei diesem anders.

 In „Der heilige Gral“ heißt es: „Ich werde mich keiner Szene fügen“. Musste das mal so formuliert werden?

 Meine Kampfansage an gewisse Leute, die mich in irgendeine Szene stecken wollen. Erik Cohen wird nur das machen, mit dem ich leben kann.

 

 Ist „Weisses Rauschen“ stilistisch breit gefächert?

 Klassischer Heavy Metal, Country-Americana-Psychobilly-Referenzen, 80er-New-Wave, frühe NDW, Classic Rock. Ich bin kein musikalisches Genie, ich arbeite rein intuitiv und mit den zirka 50 Platten, die ich in mein Herz geschlossen habe und in- und auswendig kenne. Die hört man immer irgendwo raus.

 

 Dann geht es bei Dir auch um die Kunst des Zitats?

 Genau, Zitate geschickt zu mischen, auch innerhalb der Songs, damit das organisch klingt, wie aus einem Guss.

 

 Und auch poppig, eingängig?

 Ich mag eingängige Musik, auch bei Smoke Blow waren das im Kern immer Pop-Songs.

 Spielt Erik Cohen in derselben Liga wie Smoke Blow?

 Nein. Smoke Blow ist ja eine ungemein populäre Band. Wir haben jetzt in der Hamburger Fabrik vor 1200 Leuten gespielt und hätten noch mal 1000 Karten mehr verkaufen können. Ein unglaublicher Kultwert. Erik Cohen steht immer noch am Anfang.

 

 „Weisses Rauschen“ erscheint am Freitag, 15. Januar. Konzert von Erik Cohen und Band am 11. März, 19.30 Uhr, Orange Club (Grasweg 19).

 Interview: Thomas Bunjes

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