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Erneute Verjüngungskur

Bluesfest Eutin Erneute Verjüngungskur

Die 27. Ausgabe des internationalen Bluesfestes in Eutin hat wie häufig zuvor mit neuen jungen Gesichtern auf der Bühne geglänzt. Viel stärker als in den Vorjahren haben aber offenbar auch die Jugendlichen vor der Bühne den Zwölftakter für sich entdeckt. Die Mucke der Eltern und Großeltern kommt plötzlich auch bei den Teenagern an.

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Großes Blues-Kino bot US-Schwergewicht Joey Gilmore.

Quelle: Dieter Hanisch

Eutin. Trotz ESC-Konkurrenz flippen am zweiten Abend der Blues Baltica auf dem Marktplatz 250 Youngster vor der Bühne total aus, weil sechs Spanier sich bestens darauf verstehen, einen „Blues-Arriba“ zu zünden. Die Stimmungsmacher hören auf den Namen Travelin‘ Brothers und sind eine besondere Partyband, die sich bei R & B-Stücken, Soulklassikern und Bluessongs bedient und diese gehörig „aufmotzt“ – zwischen kreischendem E-Gitarrensolo und groovendem Saxofon. So wird mal eben Liedgut von Blueslegende Freddie King „aufgepimpt“ und zur hippen Nummer. Die Spanier bekommen spontan ein Brot geschenkt, was Sänger John Careaga während des Gigs immer wieder hochhält wie eine Trophäe.

 Altbackenes aufhübschen: Das Festival hat sich in diesem Jahr das Motto „Modern Roots“ verschrieben, und daher eine Verjüngungskur zum Programminhalt gemacht. Warum soll das Crossover einen Bogen um den Blues machen? Wellbad aus Hamburg stehen dafür. Die klassische Blueslinie wird stetig durchbrochen, weil Grenzen ein kreatives Hemmnis darstellen. Tom Waits lässt grüßen, dazu jede Menge hintersinniger Humor, denn wie sonst würde jemand einen Happy Worstday besingen?

 Egozentrisch wie aufrührerisch präsentieren sich Gruff! aus Polen. Einmal tief bei Robert Johnson und Kollegen gewühlt, und dann einen eigenwilligen Sound draus kreiert, dafür steht das Trio. Zwischen Trash-, Metal- und Free-Blues sind alle Schubladenrubriken noch frei für das Triumvirat.

 Gerne einmal abseits der Bluespfade, ohne diese aber ganz aus den Augen zu verlieren, wandelt das Tito Lausteen Quartett aus Norwegen. Drei Bandmitglieder sind Anfang 20, der Drummer dazu mit 34 der Band-Oldie. Rockmusik der 60er und 70er inspiriert die Skandinavier, wirkt bei ihnen aber wie Frischware und nicht wie ein angestaubter Ladenhüter; aber auch Gary Moores Moving On von 1990 findet Platz im Set. Als junge Band mit bemerkenswertem Niveau hat sich die Lisa Lystam Family Band aus Schweden erwiesen. Das Sextett hat nicht nur etwas auf dem neuen Debütalbum Give You Everything zu bieten, sondern ist auch live ein prima Gesamtpaket aus Feeling und Dynamik.

 Die Jersey Julie Band (USA/Frankreich) ist mit jazzigem Cajun eine Festival-Entdeckung. Für „großes Kino“ sorgt am Ende seiner Europa-Tournee der 71-jährige Joey Gilmore aus Florida. Das Blues-Schwergewicht hat eine tolle Band an seiner Seite. Gilmore ist traditionell unterwegs, hat eine markante kratzige Stimme und weiß, wie er die Gitarrensaiten zu kitzeln hat. Weiteres US-Highlight: Mississippi Bigfoot mit ihrer Europa-Premiere. Ein großer Moment: Die vierjährige Diana aus dem Publikum darf auf der Bühne bei Bassist Cade Moore auf dessen Saiten zupfen.

 Landesgartenschau zusammen mit Bluesfestival – geht das? Na klar! Für eine gute Nachbarschaft sorgen fünf „blaue“ Konzerte auf dem LGS-Gelände, mit dabei auch Junggitarrist Kalle Reuter mit Band aus Kiel. Einer von Deutschlands Topgitarristen in Sachen Blues, Kai Strauss, liefert einen Tag vor seinem 46. Geburtstag mit seiner Band auf der großen LGS-Bühne ein Konzert mit Sternchen ab, und die in Philadelphia geborene Juwana Jenkins hat zum Pfingstmontag am gleichen Ort mit ihrer tschechischen Begleitband dazu noch das Sahnehäubchen drauf gesetzt, sodass man sich schon jetzt auf das norddeutsche Gospeltreffen am 17. September auf dem LGS-Gelände freuen darf, während die Bluesfreunde bereits vom 17. bis 19. Juni die German Blues Challenge auf dem Eutiner Markt erleben können.

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