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Kontrastprogramm mit Vogelgezwitscher

Monika-Maria Dotzer stellt im Bunker-D aus Kontrastprogramm mit Vogelgezwitscher

Figuren aus Bronze, Wolle oder Pappmaché, düstere Installationen mit historischen und aktuellem Bezügen, Selbstporträts und fröhlich bunte Blumenbilder: Monika- Maria Dotzer lässt sich thematisch und künstlerisch in keine Schublade zwingen. Im Bunker-D der FH Kiel zeigt die Künstler jetzt neue Arbeiten und Installationen.

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Lässt lauter Frühlingsblumen der Reihe nach aufblühen: Monika-Maria Dotzer.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Kiel. „Manche Menschen irritiert das, für mich liegt in der Vielfalt der Reiz“, so die in Pommern geborene Kielerin, die ihre künstlerische Ausbildung 1973 begann und seit 1989 freischaffend tätig ist.

 Dazwischen nennt sie ihre Ausstellung im Bunker-D der Fachhochschule Kiel und meint den Titel ganz wörtlich, bezieht er sich doch auf ihre eigene Person, die mit dem Krieg eine dunkle, und im Frieden eine helle Zeit erlebt hat. Eine Reihe (ironischer) Selbstporträts und Büsten zeigt die Künstlerin im Wandel der Jahre – zwischen zwei Ausstellungsräumen, von denen der erste abgedunkelt ist. Hier weckt eine Soundcollage mit Sirenengeheul und zackigen Männerstimmen Assoziationen an Bombennächte, die die Künstlerin als Angehörige der Kriegsgeneration durchleben musste.

 Aus Respekt vor den Bunkerwänden als stumme Zeugen dieser Zeit hat sie ihre vorzugsweise aus Trash-Material gefertigten Objekte und Installationen auf Sockel gestellt. Köpfe mit verzweifelt aufgerissenen Mündern drängen sich hier in übervollen Booten oder hängen verloren in vergitterten Gehäusen. „Verzweiflung / Aufbruch / Mut“ steht auf dem Sockel unter diesen Köpfen, ein zweiter mit der Aufschrift „Zuversicht / Neubeginn/ Mut“ ist vielsagend leer. Ein großformatiges Gruppenbild mit Porträts von zehn jungen Leuten („meine Enkelkinder“), die quasi in den Saal hineinblicken, steht für die Generation der Hoffnungsträger einer friedlichen Zukunft.

 Im zweiten Bunkerflügel läuft ein krasses Kontrastprogramm. Vogelgezwitscher erfüllt den hellen Raum, der angefüllt ist mit großformatigen Bildern, die abstrakt vergrößerte Blumen zeigen oder Ausschnitte verwunschener Gärten. Ein optischer Makel in dieser friedvollen Frühlingswelt ist weißes Plastikgestühl, das gestapelt oder in wirren Haufen den Blick auf die Natur verstellt. Dotzer nennt die praktischen Allerweltsstühle „Conqueror“, weil sie so ziemlich jeden Erdteil erobert haben. Ein Exemplar lässt sie von kunterbunten Blüten, modelliert aus unbehandelter Wolle, überwuchern. „Denn die Rückeroberung der Natur ist der einzige Weg, die Dinger unsichtbar zu machen.“

 Die heutige Ausstellungseröffnung markiert den Auftakt zur 18. Bunker-D Woche. Neben einer Kunstführung mit Kanzler Michael Heinze (heute, 21 Uhr) gibt es am Sonnabend einen musikalisches Bunker-Brunch mit Jazzpianist Fabian Addo (11 Uhr), am Abend zeigt das Bunker-Kino sehenswerte Zeitraffer-Filme vom Ostufer (20 Uhr), gefolgt von nächtlichen literarischen Lesungen (21-24 Uhr).

 Unter dem Titel Horst – Die Sexlesung nehmen am Montag drei Autoren von Hamburgs schräger Lesebühne „Längs“ Menschen und Situationen aufs Korn (20 Uhr), am Dienstag rocken die Kieler Punk-Band Rescue Neverland (20 Uhr) und die Punkrocker Rich Kids Dress Up den Bunker (21.15 Uhr).

www.bunker-d.de

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