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Erst Mercedes, dann Carmen

Mezzosopranistin Tatia Jibladze neu im Kieler Opernensemble Erst Mercedes, dann Carmen

„Ich singe, seit ich geboren wurde, meine Familie singt, alle Georgier singen ...“: Tatia Jibladze erinnert sich, dass sie schon mit Sieben Opernsängerin werden und genau wie Pavarotti singen wollte.

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Bald auch als Carmen auf der Kieler Opernbühne: Tatia Jibladze begießt hier als Mercedes mit Lesia Mackowycz als Frasquita den Leutnant Zuniga (Timo Riihonen), rechts Cristina Melis als Carmen.

Quelle: Struck

Kiel. „Zum Glück ist es zu letzterem nicht gekommen!“, lacht die Mezzosopranistin, die neu im Kieler Ensemble ist. Jedes Detail einer Aufführung von Verdis Maskenball, die sie mit neun Jahren geradezu paralysiert habe, erinnere sie bis heute genau. Und auch das abgeschlossene Psychologie-Studium konnte sie nicht von ihrem Traum ablenken, auf der Bühne zu stehen.

 Nach dem Gesangsabschluss am Konservatorium in Tiflis war es für die Belcantistin geradezu eine Selbstverständlichkeit, nach Italien zu wechseln. Bei ihrer Landsfrau, der georgischen Sopranistin Alla Simoni, erhielt sie ab 2009 als eine von vier glücklichen Stipendiatinnen Feinschliff in der Accademia d’Arte Lirica von Osimo in der Provinz Ancona. Nur eine Stunde entfernt liegt Pesaro, mit seinem exquisiten Rossini-Festival so etwas wie ein Sehnsuchtsort für Operngourmets. Dort als junge Stimme auftreten zu dürfen, „war ein kaum erfüllbarer Traum“. Das Wunder geschah: Ausgewählt unter 200 Bewerbern für nur 18 Plätze bei der Sommer-Akademie kam Jibladze unter die Fittiche eines Belcanto-Großmeisters, Dirigent Alberto Zedda („der Rossini unserer Tage ...!“). Unter seiner Leitung durfte sie sogar die Festival-Premiere von Rossinis Il Viaggio a Reims singen und mit der Produktion später in der neuen Festival Hall von Osaka / Japan auftreten.

 Im Dezember 2013 horchten dann auch Agenten auf: In einer Audition für eine Carmen in Florenz wurde Tatia Jibladze ausgewählt. Noch heute staunt sie darüber: „Es gab dort so viele tolle Stimmen, besonders Mezzosoprane ... im Juli 2014 stand dann aber plötzlich mein Name mit dem Starbariton Mario Cassi als Escamillo auf dem Plakat des Teatro di Verdi.“

 In der Kieler Carmen ist Jibladze zunächst als Mercedes gefragt, darf aber im März an drei Abenden die Titelpartie von der Kollegin Cristina Melis übernehmen, von deren Erfahrung sie in den Proben genauso profitierte wie von dem „sehr guten, mit klarer Vorstellung Regie führenden Matthias von Stegmann“. Gesangstechnisch sei die Carmen nicht sehr schwierig, „aber man ist ständig auf der Bühne, muss ihre Psychologie durchdringen und jenseits von Obraszowa bis Garanca etwas Neues, Eigenständiges in der Figur finden, das alle interessiert und mit dir erinnerungswürdig verbunden wird.“

 Ansonsten freut sich Jibladze ganz besonders auf den Gluckschen Orfeo („technisch nicht leicht, französisch gesungen und außerdem nicht von dieser Welt“), sowieso auf den Cherubino. Auf dem Wunschzettel steht Mozarts Dorabella („weil sie meinem Charakter so nahe steht“) und die Werther-Charlotte („aber über die muss ich noch länger nachdenken“). Alles weitere ist „Rossini, Rossini, Rossini“: möglichst die Isabella aus L’Italiana in Algeri, der Malcolm aus La Donna di Lago und der Tancredi. Kiel drückt die Daumen.

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