16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Perspektiven im Paradiesgarten

Schloss Eutin: Perspektiven im Paradiesgarten

Wer die Gärten des französischen Impressionisten Claude Monet (1840-1926) genießen möchte, muss früh aufstehen. Denn schon kurz nach Öffnung strömen Busladungen voll Touristen durch das kleine Dorf Giverny in der Nähe von Paris. Hinter jeder Blüte lauert eine Linse, am Seerosenteich drängeln sich die Knipser, um das bekannte Motiv mit der japanischen Brücke in den Fokus zu bekommen, und immer schlurfen Leute durchs Bild.

Voriger Artikel
Beste Stimmung zur Halbzeit
Nächster Artikel
Gattungsbrüche als Kunstform

Bernard Plossu: Zu Gast bei Monet, Die andere Seite des Gartens, Juni 2011 in Tirage-Fresson-Technik.

Quelle: macbookpro

Eutin. Von Petra Haase

Dieses Problem kannten Darren Almond, Elger Esser, Henri Foucault, Bernard Plossu und Stephen Shore nicht. Die renommierten Fotografen sollten im Auftrage unterschiedlicher Institutionen ihre Sicht auf Monets Gärten abbilden und hatten deshalb Tag und Nacht Zugang zu dem Areal. Das Ergebnis wurde in einer Ausstellung in Giverny gezeigt, die eine große Resonanz hatte. Einige der Fotografien sind derzeit im Schloss Eutin zu sehen, passend zur Landesgartenschau. „Die Ausstellung kam auf Anregung des Leiters der Hamburger Kunsthalle, Hubertus Gaßner, zustande“, sagt Kuratorin Susanne Petersen: „Die Bilder wurden aus Giverny direkt zu uns gebracht.“

 Wer idyllische Abbildungen der Gärten erwartet, die der Maler in den 1880er Jahren anlegen ließ, wird enttäuscht. „Man muss sich auf die Bilder einlassen. Jeder Fotograf hat seine sehr eigene Herangehensweise und Technik, das macht den Reiz dieser Ausstellung aus“, sagt die Geschäftsführerin des Schlosses, Brigitte Herrmann. Auf einzelne Blüten legt Darren Almond (geboren 1971 in England) den Fokus, seine großformatigen Fotografien entstanden mit einer Mittelformatkamera bei Vollmond und in der Dämmerung. Mehr als eine Stunde lang musste er die Kamerablende geöffnet lassen, um die filigranen Blütenstände aufs Negativ zu bannen. Auch Elger Esser, 1967 in Stuttgart geboren und einer der wichtigsten Vertreter der Düsseldorfer Fotoschule, nutzte die nächtliche Stimmung. Er fotografierte den Wassergarten in der Abenddämmerung. „Er zeigt ihn möglicherweise so, wie Monet ihn am Ende gesehen haben mochte, denn er konnte Farben nur noch schwer erkennen“, erklärt Brigitta Hermann. Das Heliogravur-Verfahren ermöglicht feinste Abstufungen der Schwarz- und Grautöne, die die Nacht leuchten lassen. Der Franzose Bernard Plossu, 1945 in Vietnam geboren und bekannt für seine Schwarz-Weiß-Fotos, ließ sich vom „wahrhaft paradiesischen Dschungel“, wie er sagte, zu Farbfotos verführen. Durch das Fresson-Verfahren, eine Art Kohledruck, wirken seine Bilder wie mit Patina überzogen und aus der Zeit gefallen.

 Einen anderen Zugang wählte der Fotograf und Bildhauer Henri Foucault, geboren 1954 in Versailles. In seinen Fotogrammen reduziert er die Gärten auf Details: Blätter und Blüten legte er auf lichtempfindliches Fotopapier. Während der Belichtung verschob er die Objekte, so dass Schattenspuren entstanden. Der Amerikaner Stephen Shore, 1947 in New York geboren und schon als junger Fotograf im Metropolitan Museum of Art vertreten, nähert sich nüchtern dem Sujet. Er dokumentierte Anfang der 1980er Jahre den Wiederaufbau der Gärten, ohne sie „schön“ zu fotografieren. Seine Bilder leben von ihren Strukturen. „Shore überlässt nichts dem Zufall, man sollte sich Zeit nehmen für seine Arbeiten“, empfiehlt Susanne Petersen.

 Was die Fotografen eint: Wie Monet spielten sie mit Effekten von Licht und Schatten und inszenierten magische Momente im Paradiesgarten. Und wen die Ausstellung inspiriert, selbst blühende Landschaften abzulichten, der findet – inklusive Seerosen – genügend Motive auf der Landesgartenschau rund ums Schloss.

 Schloss Eutin „Zeitgenössische Fotografien aus den Gärten Claude Monets“, bis 21. August, tägl. 10 - 18 Uhr, Führungen sa. 14.30, 15.30 und 16.30 Uhr, so 12.30, 13.30 und 14.30 Uhr. Eintritt: 4/Führung 3 Euro. www.schloss-eutin.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3