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Es gärt hinter den Kulissen

Eutiner Festspiele Es gärt hinter den Kulissen

Vor den Kulissen gibt’s viel Beifall, dahinter gärt es: Der vom alleinigen Gesellschafter Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) eingesetzte Beirat der Eutiner Festspiele hat zwischen Aida und Vogelhändler mit knapper Mehrheit beschlossen, den Jahresvertrag mit der erst seit November 2014 resolut agierenden Geschäftsführerin Sabine Kuhnert nicht über September 2015 hinaus zu verlängern: Man wolle den Weg offenhalten für neue Strukturen mit neuen Gesellschaftern.

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Gute Zusammenarbeit: Intendantin Dominique Caron (links) und Geschäftsführerin Sabine Kuhnert.

Quelle: Orly Schekahn

Eutin. Intendantin Dominique Caron ist über Zeitpunkt und Stil der Entscheidung irritiert, „weil es uns eigentlich sehr gut geht“: Sie setzte gestern ausdrücklich auf das derzeitige Führungstrio mit Sabine Kuhnert und dem Technischen Direktor Arend Knoop. Man könne gute Zahlen vorweisen und sei vor allem auch schon gut gerüstet für die Spielzeit 2016, die wegen der Landesgartenschau für die Festspiele besonders wichtig ist. Mit Webers Freischütz als Neuinszenierung Carons, mit Bizets Carmen als Neueinstudierung (nach 2013) und erneut dem Vogelhändler, zudem Kinder-Angeboten, hat man ein ehrgeiziges Programm entwickelt: „Wir arbeiten gut und gerne und erfolgreich zusammen und ergänzen uns sehr gut“, so Caron im klaren Einklang mit Knoop. Eine vierte Geschäftsführung binnen fünf Jahren erscheine zudem wenig glaubwürdig. Nach harten Jahren, knapp vor der Insolvenz, „kann das Kind alleine laufen“, wirbt die Intendantin um Vertrauen der WVE-Gesellschafter. Sie wollen im August über das Votum des Beirates aus fünf Vertretern der heimischen Wirtschaft beraten und klären, wie die Festspiele sich mit neuen Kapitalgebern zukünftig aufstellen wollen.

 Der Beirats-Beschluss sei „zu diesem Zeitpunkt fehl am Platze“, appelliert Caron: „Das Kulturelle sollte gegenüber Befindlichkeiten Vorrang haben“. Über Zukunftsstrukturen müsse man gemeinsam sprechen. Das strebe auch der Beirat an, versichert Sprecher Hans-Wilhelm Hagen und verweist eher wolkig auf den Runden Tisch im August. Es gehe darum, mit freiem Blick in die Zukunft zu schauen und dabei die künstlerische Arbeit zu stärken. Mit Dominique Caron als Intendantin. Es gibt in Eutin unklare Animositäten. Und Klärungsbedarf.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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Festspiele
Foto: Man schätzt sich in Eutin: Intendantin Dominique Caron (links) und Geschäftsführerin Sabine Kuhnert.

In Bayreuth läuft der Zwist (traditionell) im Vorfeld, auf Eutins Grünem Hügel verhageln umstrittene Beschlüsse die 65. Festspielzeit. Hier wie da geht es nicht um Kunst allein, wohl aber um Harmonie und Dissonanzen. Zwischen den beiden Saisonpremieren trafen diejenigen Herren, die vor vier Jahren die Eutiner Festspiele beherzt vor der drohenden Insolvenz gerettet haben, eine knappe Mehrheitsentscheidung, die nun ihre eigene Aufbauarbeit zu gefährden droht.

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