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Ärger am Pult

Eutiner Festspiele Ärger am Pult

So friedlich und einhellig Ende 2015 die Stufe 2 der neuen Eutiner Festspiele mit den neuen Gesellschaftern gezündet wurde, so viel Harmonie gibt der Binnenblick Anfang 2016 dann doch nicht her.

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Vergangene Harmonie: Geschäftsführerin Tina Ziegler, Intendantin Dominique Caron (vorn), Chorleiter Carsten Bowien und Generalmusikdirektor Urs-Michael Theus (von links) zum Auftakt der Festspielsaison 2014.

Quelle: og

Schließlich gibt es ja nicht nur eine erfolgreiche Intendantin, eine dynamische Geschäftsführerin und einen gestandenen technischen Direktor. Es gibt, nein: gab, auch einen GMD: Urs-Michael Theus, Gastdirigent in Eutin schon seit 2007, hatte den Titel 2012 zeitgleich mit dem Amtsantritt der Intendantin Dominique Caron übernommen. Aber irgendwie lebte und arbeitete man sich über die Jahre und die jeweiligen Akteure wohl auseinander.

 Kaum war der sommerliche Zwist mit den alten Gesellschaftern abgewettert, wurden in diesem Kontext erneut unschöne Vorwürfe (halb)laut. Dabei ging es nicht nur, aber sicher auch, um Chemie, sondern schlicht um Geld: Die eine Seite monierte, der GMD wolle plötzlich 50 Prozent mehr Gage, die andere Seite beklagte, einzelne Sänger würden eine bis zu zweieinhalbfach höhere Abendgage bekommen, als der Dirigent. Beide mögen Recht haben ... Der GMD trat vor seiner fünften Spielzeit aber auch deshalb zurück, weil er sich nicht (mehr) einbezogen fühlte. Etwa bei der Kalkulation für das Festspielorchester, das ja kein fester Klangkörper ist, sondern jedes Jahr neu zusammengestellt werden muss. Ausgerechnet im Jahr der Landesgartenschau mit drei Produktionen sei der Etat deutlich unter seinem ohnehin knappen Ansatz festgesetzt und dann nochmals fünfstellig gesenkt, zudem für eine Oper noch ein Gastdirigent ausgeguckt worden.

 Das war zuviel für Theus. Er sieht die Qualität gefährdet, er fühlt sich verkannt und geht. Und die Festspiele, in diesem Jahr auch mit einer neuen Chorleiterin am Start, müssen beherzt einen Nachfolger suchen, der ein Orchester für die 66. Saison zu formieren hat. Man gibt sich gefasst in der Opernscheune, aber so richtig Ruhe scheint in Eutin doch noch nicht eingekehrt. Weil Harmonie auch viel mit Stilfragen und schlicht Chemie zu tun hat.

 Theus schaut nun von Lüneburg aus in die Ferne, dirigiert den gebürtigen Eutiner Carl Maria von Weber dann eben in St. Petersburg, bevor er zu Gastspielen nach Kuba und Riga aufbricht: Da scheinen die Verhältnisse offenbar klarer. Auf Eutins grünem Hügel gibt es derweil für neue, wohl auch schon anvisierte Kandidaten klare Rahmenbedingungen. Die Qualität der vergangenen Jahre hat hohe Maßstäbe gesetzt – am Regie- wie am Dirigierpult.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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