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„Fledermaus“ als Hoffnungsträger

Eutiner Festspiele „Fledermaus“ als Hoffnungsträger

Die Eutiner Festspiele versprechen einen „beschwingten Abend mit wunderschönen Bildern“ – und setzen für die Saison 2017 auf eine Operette, die „beliebteste Operette überhaupt“, als einzige szenische Produktion.

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Planen populär: v.li. Intendantin Dominique Caron, Technischer Leiter Arend Knop, Geschäftsführerin Sabine Kuhnert.

Quelle: bkm

Eutin. Die Fledermaus von Johann Strauss soll die Lage stabilisieren, nachdem man in diesem weitgehend verregneten Sommer auf der Seebühne empfindliche Zuschauereinbußen hinnehmen musste: „Das Wetter war 2016 kein Freund“, drückt es die Intendantin aus.

 Elfmal soll das durchaus opernhaft anmutende und stimmlich entsprechend anspruchsvolle Werk zwischen 8. Juli und 18. August in Dominique Carons Inszenierung aufgeführt werden, die einer vergnügungssüchtigen Gesellschaft einen heiter-ironischen Spiegel vorhält. Doch auch der Freischütz bleibt in Eutin präsent – nur anders: Leo Siberski, früherer Kieler Kapellmeister mit ausgeprägtem Faible für Crossover-Projekte, will unter dem Titel Die Wolfsschlucht (12.8.) die „wahre“, eine ganz neu aufbereitete Schauergeschichte über Max und Agathe erzählen – inklusive eines Liebesduetts, das Carl Maria von Weber gar nicht komponiert hat. Eine Uraufführung „mit Wiederholungspotenzial“, verspricht die Intendantin. Sie pflegt immer mehr ein Faible für neue, moderne Ansätze: „Es gibt viele Formen von Theater, das probieren wir aus“. Aber sie betont auch, „ich brenne für die Oper“. 2018, soll das heißen, könne es auch wieder Oper im Schlosspark geben – allemal, wenn die Saison 2017 gut läuft. Ende 2018 läuft allerdings auch Carons Vertrag aus, und wenn das Engagement als Intendantin am Stadttheater Hagen absehbar noch im Oktober den Segen von Aufsichtsrat und Stadtrat findet, mag sich für Eutin eine neue Situation ergeben. Ein gewinnbringendes Nebeneinander könnte eine Option sein.

 Leo Siberski jedenfalls soll nach seinem Eutin-Debüt dieses Sommers im kommenden Jahr wieder genauso mitwirken wie Romely Pfund – beide werden sich „in kongenialer Kooperation“ die Fledermaus-Dirigate aufteilen und zusätzliche Projekte angehen. So wird Siberski am 26. August auch einen (Abschluss-)Galabend am Eutiner See dirigieren, in dem unter Leitung von Dominique Caron beliebte, „wirkungsvolle“ italienische und deutsche Opernklassiker in Szene gesetzt werden. Romely Pfund will eine Romantische Reise von Weber bis Wagner (15.7.) mit berühmten Kompositionen für Chor, Orchester und Solisten konzipieren und außerdem mit beliebten Melodien der Wiener Zeit in Die wunderbare Welt der Operette (28.7.) einführen. Es spielt jeweils die 2016 von Siberski gegründete, musikalisch betont vielseitige Kammerphilharmonie Lübeck (KaPhiL!) Zusätzlich sind Kindervorstellungen angedacht. Rund 40 Prozent der Eutiner Festspielbesucher seien Touristen, sagt Geschäftsführerin Sabine Kuhnert, und betont: „Wir können es uns derzeit nicht leisten, nur unserer Leidenschaft zu folgen“. Schließlich gelte es, allabendlich rund 1800 Plätze auf der Open-Air-Tribüne zu füllen. Dafür muss man, so Caron, „Freude und nicht Ärger produzieren“.

 Auch wenn sich positive Begleiteffekte 2016 in Grenzen hielten, setzen die Festspiele auf Langzeitwirkungen der Landesgartenschau, was Werbung, vor allem auch Infrastruktur angeht. So böten sich die Torhäuser gleich neben der Opernscheune als intime Aufführungsorte an, stünden nun neue Parkplätze ganz in der Nähe zur Verfügung. Auch auf dieser Ebene sind möglichst wenig Schwellen angesagt.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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