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„Die hiesige Filmszene ist sehr engagiert“

FFHSH-Geschäftsführerin Köpf „Die hiesige Filmszene ist sehr engagiert“

Nach eigenen Produktionen hat Münchnerin Maria Köpf die Seiten gewechselt und zu Beginn des Jahres die Leitung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein übernommen. Dieser Tage hat sich die 53-Jährige beim am Donnerstag in Kiel angelaufenen Filmfest Schleswig-Holstein einige Filme vorgenommen.

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Maria Köpf, neue Leiterin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, hat besonders gute Kontakte zur dänischen Filmszene.

Quelle: Björn Schaller

Hamburg. Frau Köpf, wie definieren Sie Ihre Aufgabe als FFHSH-Geschäftsführerin in Nachfolge von Eva Hubert?

Ich habe ja bisher als Produzentin gearbeitet, erst bei X-Filme, seit 2008 bei der deutschen Filiale von Zentropa in Berlin. Da war ich es, die die Geschichten gesucht hat. Mir liegen immer schon große emotionale Stoffe am Herzen; und es wäre mir wichtig, diese im Filmschaffen stärker zu etablieren. Es geht darum, neue Impulse für die Stoffentwicklung zu setzen. Auch der Kontakt zu den Kreativen ist mir wirklich wichtig.

Was können Sie aus der Rolle der Produzentin in Ihre jetzige Arbeit einbringen?

Ich denke, dass ich aus meiner bisherigen Erfahrung viel in meine neue Tätigkeit einbringen kann, gerade was das Verhältnis der Kreativen zu den Produzenten und letztendlich zu den Förderern und Verwertern angeht. Film ist ja ein spannendes Kulturgut, das jedoch auch als Wirtschaftsfaktor eine große Rolle spielt. Vor allem zum Tourismus-Sektor gibt es eine gegebene Nähe, die es zu verstärken gilt. Gerade die touristische Strahlkraft von Drehorten sowie die Infrastruktur vor Ort sollte man nutzen. Für Jussi Adler-Olsens Erbarmen haben wir zum Beispiel in Husum und Eckernförde gedreht. In Schleswig-Holstein ist der Tourismus ein starker Wirtschaftsfaktor und für den ist Film wichtig.

Was bedeutet Ihnen der Norden?

Mir gefällt die enge Partnerschaft mit Dänemark, das war eine oft spannende Zusammenarbeit. Und die dänischen Filme haben davon profitiert. Das gilt für die Effizienz, aber auch für die Drehteams hier vor Ort. Ich sehe es außerdem als ein großes Potenzial, dass der Dokumentarfilm in Hamburg und Schleswig-Holstein so stark ist.

Dänemark ist ein auch international erfolgreiches Filmland. Mit „Krigen“ von Tobias Lindholm war gerade wieder ein dänischer Film als Bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert. Auch Sie würden gern mehr große internationale Produktionen in den Norden holen. Was können wir von den Dänen lernen?

Die Dänen sind, was das Erzählen angeht, weit vorneweg. Dafür gibt es faktische, allen voran finanzielle Gründe. Sie gehen aber auch anders an Stoffe heran. Da gibt es eine Lust, in Konflikte hineinzugehen, oder in die Emotionalität. Wenn ich einem deutschen Filmemacher sage, „trau Dich doch mal, emotionaler zu erzählen“, spüre ich oft eine Zurückhaltung, die ich mir gar nicht erklären kann. Der Produzent Peter Aalbek Jensen hat den Erfolg des dänischen Kinos mir gegenüber mal so auf den Punkt gebracht: Eigentlich erzählen wir Barbara Cartland-Geschichten. Aber wir tun es auf Dogma. Es gibt in Dänemark einfach eine hohe Raffinesse, Dramen zu packen. Das finde ich erstaunlich und davon würde ich gern ein bisschen mehr zu uns hereinholen.

Wie schafft man es, internationale Großproduktionen zu locken?

Seit 2007 haben sich die Drehtage in Schleswig-Holstein und Hamburg verdoppelt. Das bedeutet, dass Filme den Norden als Ort ins Bewusstsein rücken. Das wollen wir betonen. Deshalb schicken wir auch eine unserer Film-Commissionerinnen Ende April zur Motivmesse in Los Angeles, um uns dort als Drehort Nord zu präsentieren.

2007 ist die Filmwerkstatt Kiel mit ihrem eigenen kleinen Förderetat mit der Filmförderung Hamburg fusioniert. Wo sehen Sie die Kieler im Gesamtgefüge?

Ein schöner Satellit, der sehr autonom arbeitet. Mir gefällt der direkte Kontakt zu den Filmemachern und wie sich die Filmwerkstatt in der Nachwuchsförderung engagiert. Vielleicht könnte man auf der Verwertungsebene noch mehr machen: Wie wird das Kino in Schleswig-Holstein wahrgenommen? Lassen sich lokale Kinos stärken, indem man die hier entstandenen Filme auch vor Ort zeigt? Und wie kann man die Talente begleiten?

Haben Sie schon einen Eindruck von der Filmszene Schleswig-Holstein?

Die Szene ist sehr engagiert und ihrem Land sehr verbunden. Einen guten Überblick über das schleswig-holsteinische Filmschaffen gibt natürlich das Filmfest Schleswig-Holstein in Kiel! Sehr interessant sind außerdem die internationalen Kontakte der Filmwerkstatt und das Netzwerk Screen Talent Europe mit Partnern in Dänemark, Schweden und Irland, um Talente im Bereich Film, TV und Games zu entdecken und zusammenzubringen.

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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