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Rossinis "Tell" als Kunstgleichnis

Vor der Premiere in Kiel Rossinis "Tell" als Kunstgleichnis

„Andere Rossini-Opern sind menschlich, der 'Guillaume Tell' ist göttlich“, schwärmt der italienische Regisseur Fabio Ceresa. „Er erreicht hier eine vollkommen neue Stufe in seinem Schaffen. Ein Meisterwerk, ein Geschenk!“ Kieler Premiere ist am 15. Oktober.

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Instrumente spielen in der Neuproduktion eine besondere Rolle: Dirigent Daniel Carlberg (li.) und Regisseur Fabio Ceresa.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Daniel Carlberg, Dirigent der Oper, bestätigt die Ausnahmestellung – „auch, weil Rossini in diesem Fall ungewöhnlich viel Zeit für die minutiöse Ausarbeitung hatte und in Paris traumhafte Bedingungen vorfand: das beste Orchester, die besten Sänger.“

So viel hohe Kunst im Graben und auf der Bühne haben den Regisseur inspiriert, sich in seiner Inszenierung vom politischen Schlachtengemälde der Grand Opéra zu lösen. „Ich versuche vielmehr szenisch darin deutlich zu machen, wie bedeutend die Kunst in unserer Gesellschaft ist, und was passiert, wenn die Kunst nicht so unterstützt wird, wie sie sollte.“ In seinem Konzept stellen die Schweizer im übertragenen Sinne Künstler dar, die ihre Kunstfreiheit nicht mehr ausüben können. „Somit ist Arnold bei uns ein rebellischer Sturm-und-Drang-Dichter, -Maler und -Komponist, vergleichbar dem Werther. Mathilde ist die Muse, die Inspirationsquelle, die mit ihrer Stimme über allem schwebt. Tell ist dagegen der geerdete Realist unter den Künstlern, der weiß, dass man für die Kunst kämpfen muss, dass sie leider kein selbstverständliches Recht ist.“

Bei Ceresa ist es folgerichtig dessen Sohn, der die Oper beginnt und schließt: „Er folgt seinem inneren Drang nach Kunstausübung, er will Cello spielen und das Orchester dirigieren – und genau das wird ihm verwehrt.“

Premiere am So 15. Oktober, 17 Uhr. Karten: 0431 / 901901. www.theater-kiel.de

Von Christian Strehk

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