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Dänemark gegen Hollywood

„Jenseits von Afrika – Min afrikanske Farm“ auf Gottorf Dänemark gegen Hollywood

Out of Afrika, Jenseits von Afrika: Robert Redford, Meryll Streep. Die betörende Landschaft des schwarzen Kontinents in Cinemascope, dazu John Barrys’ preisgekrönte Musik. Ganz großes Kino. Wir alle kennen das. Und lernen es im Kern auf Schloss Gottorf noch besser kennen.

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Großer Stoff, aufgeführt in großer Nüchternheit: Szene mit Christian Nisslmüller, Thomas Jacob Clausen, Charity Laufer, Anne Reumert (v.l.).

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Schleswig. Denn dem Kern der Geschichte um die Dänin Karen Blixen, die sich vor über 100 Jahren auf einer Kaffeeplantage in Afrika niederließ, kommt die Inszenierung des Factory-Theaters, die am Wochenende unter dem Titel Jenseits von Afrika – Min afrikanske Farm im Kreuzstall Premiere hatte, wohl wesentlich näher.

 Die durchdachte Nüchternheit, mit der Regisseurin Gaby Schelle und Dramaturg Andrè Becker den weltberühmten Stoff bearbeiteten, und ganz bewusst als künstlerische Antithese zum Hollywood-Kassenschlager anlegten, ist frappierend. „Szenische Installation“ nennen die Theatermacher ihr Werk. Der Tradition des Factory Theaters verpflichtet, kommt die Produktion ohne Requisiten, nur mit ein paar Stühlen und großartigen Schauspielern aus, und setzt der Breitwand-Ästhetik Hollywoods damit ganz bewusst eine europäische (dänische) Sichtweise entgegen. Diese Perspektive, der Eurozentrismus, den nicht nur die Inszenierung, sondern auch das Programmheft eingehend beleuchtet, bildet das Rückgrat des Abends. So erscheinen sämtliche Dialoge per Video-Stream auf einer Leinwand in dänischer Sprache. Damit ist klar, Karen Blixen ist eine Europäerin, die in einem fremden Afrika ihr Glück suchte und nicht fand.

 Und das ist ihre Geschichte: 1914 betreibt Karen Blixen (Anne Reumert) in Britisch-Ostafrika eine Kaffeeplantage, heiratet Bror von Blixen Finecke (Thomas Jacob Clausen) , der sich zum skrupellosen Großwildjäger entwickelt, lebt ihre große Liebe mit Denys Finch Hatton (Christian Nisslmüller), bis der mit dem Flugzeug tödlich verunglückt, und findet in Farah Aden (hervorragend weiblich besetzt mit der farbigen Schauspielerin Charity Laufer) eine(n) Vertraute(n), der/die ihr Afrika näher bringt. 17 Jahre lebt Blixen in Afrika, verfällt der Faszination dieses fremden Kontinents, bewundert die Massai, Kikuyu, Somali und kann doch ihren touristischen Blick nie ganz aufgeben. 1931 muss sie die finanziell ruinierte Farm aufgeben und kehrt nach Dänemark heim. Aus ihren Erinnerungen schafft sie 1937 das berühmte Buch. Und dessen Umsetzung funktioniert auf der großen Leinwand ebenso wie auf der nackten Bühne in Schloss Gottorf. Ein großer Stoff eben.

  Weitere Vorstellungen: Schloss Gottorf, Kreuzstall, Fr. 2. 9., 19.30 Uhr; Sa. 3. 9., 19.30 Uhr; So. 4. 9., 18 Uhr. Weitere Termine (auch in Dänemark) und Infos: www.theater-factory.de

 

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