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Familienfeier mit einem uneitlen Weltstar

Chris de Burgh in Kiel Familienfeier mit einem uneitlen Weltstar

Es ist überhaupt keine Frage, Chris de Burgh hat die Mittel und die Macht, sein Publikum zu verzaubern. Nicht zuletzt die letzte halbe Stunde seines Konzerts im ausverkauften Kieler Schloss stellte dies unter Beweis.

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Chris de Burgh mit Nigel Hopkins am E-Piano im Kieler Schloss. Später traf er sich mit der Fado-Königin Mariza (s.o.).

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Keinen Fan hielt es auf dem Platz. Es wurde getanzt, geklatscht, gesungen, geschwärmt. Auf der Playlist standen zu diesem Moment allseits bekannte, ja mittlerweile klassische Pop-Schönheiten wie A Spaceman Came Travelling (mit inbrünstigem La-la-la Refrain des Publikums), Waiting For The Hurricane, Don`t Pay The Ferryman oder High On Emotion. Der auffällig uneitle Meister gab sich volksnah, ging bei seinem Welthit Lady In Red durch die Zuschauerreihen, herzte und umarmte jeden, der ihm im Weg stand, und war in diesen Minuten tatsächlich der so oft beschworene Star zum Anfassen. Kompliment für diese Show.

 Alles bestens also, die Karte ihr Geld wert. Jein. Ein kleiner Etikettenschwindel trübt schon die Stimmung. Zum einen fielen die offiziell angekündigten „exklusiven Kostproben der Ende September erscheinenden neuen CD“ sehr dürftig aus. Zum anderen bot das Konzert alles andere als die intimen „unplugged“-Versionen der Songs des in Argentinien geborenen irischen Singer/Songwriters. Denn sein Begleiter, der Keyboarder und musikalische Leiter Nigel Hopkins, entstöpselte ein beeindruckendes, aber zu prominentes elektronisches Instrumentarium und ummantelte unter anderem Songs wie My Heart’s Surrender oder das aktuelle The Ghost Of Old King Richard mit satten Basslinien, Drum-Sequenzen oder den typischen, heutzutage nicht bei jedem wirklich vermissten 80er Synthie-Sounds.

 Schade, leibhaftige Musiker mit einer echten Tin Whistle oder der irischen Rahmentrommel Bodhrán wären auf der Bühne ganz sicher nicht fehl am Platze gewesen.

 Natürlich gab es auch an diesem Abend ein klassisches Akustik-Set, in dem de Burgh musikalisch auf sich selbst gestellt war und durchaus überzeugen konnte. Und es gab einige beeindruckende Songs, bei denen Hopkins sein Sound-Labor verlies und ganz nüchtern, aber exzellent am Flügel begleitete. Nicht nur aus leider aktuellem Anlass war die Anti-Kriegs-Hymne Borderline, mit der der Sänger 1982 gegen den Falkland-Krieg aufgestanden war, der möglicherweise beste Song des Abends.

 Die Chemie stimmte bei diesem Konzert, aus seinen zwanzig Alben hatte de Burgh die besten Nummern in Gepäck, das Publikum war entzückt, was will man mehr? Und, ehrlich, es macht doch Spaß sich vorzustellen, dass Chris de Burgh auch einmal bei der heimischen Familienfeier singen könnte.

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