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Schwarze Kunst mit Mephisto

Kunsthalle Kiel Schwarze Kunst mit Mephisto

„Habe nun, ach! ...“ Weltberühmt sind die drei Worte, mit denen Goethe den ersten Teil seines Faust einleitet. Wer sich ohne nochmalige Lektüre durch die Tragödie führen lassen möchte, dem sei ein Besuch in der Graphischen Sammlung der Kieler Kunsthalle angeraten.

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Annette Weisner zeigt Illustrationsarbeiten von Gianrico Carofiglio.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Neben geflügelten Faust-Zitaten, die die Wand im Eingangsbereich zieren, hat Annette Weisner aus Beständen der Sammlung eine Auswahl von Radierungen, Kupferstichen, Lithografien und Holzschnitten zusammengestellt, die zentrale Szenen des Dramas visualisieren. Unter dem Titel „Faust fürs Auge. Illustrationen zu Goethes Meisterwerk“ werden Arbeiten von 12 Künstlern präsentiert, darunter 12 Kupferstiche von Peter Cornelius, die vor genau 200 Jahren veröffentlicht wurden und damit Impulsgeber der Ausstellung sind. „Goethe selbst konnte sich eine Illustration des Faust nicht vorstellen“, so die wissenschaftliche Leiterin der Graphischen Sammlung. „Kupfer und Poesie parodieren sich gegenseitig“ lautete die Überzeugung des Geheimrats aus Weimar. Acht Jahre nach der Uraufführung des Faust sah er diese Auffassung durch die Arbeit von Cornelius widerlegt. Als „sehr geistreiche, gut gedachte, ja unübertrefflich glückliche Einfälle“ lobte er dessen Kupferstiche, denen in der Ausstellung ein kompletter Raum gewidmet ist.

 An der detaillierten Bildsprache eines Dürer angelehnt, sind seine Figuren auf bühnenhafter Szenerie mit feinem Strich gestaltet – im Vordergrund plastisch und scharf konturiert, im Hintergrund eher schemenhaft angedeutet. Dabei konzentriert sich Cornelius auf kuriose Momente, etwa wenn sich in Auerbachs Keller die Zechkumpanen nach Mephistos Zauberei verwundert an die Nase fassen. Woanders nutzt der Künstler starke Symbole, um eine Szene ohne Worte zu erklären. So kauert hinter Gretchen, die nach dem Tod der Mutter um Vergebung betet, der Klapperstorch. Und in der rauschhaften Walpurgisnacht ist der Himmel bevölkert mit allerlei fantastischem Höllengezücht.

 Sehr viel reduzierter ist die Bild- und Formensprache von Moritz Retzsch, dessen Illustration zum Anlass für die erste Faust-Übersetzung in England wurde. 26 Szenen umfasst sein graphischer Zyklus von 1816, der mit linearen, erzählerischen Stil entfernt an heutige Comics erinnert. Mit großer Gestik präsentieren sich Faust & Co bei Paul Konewka. 1864 übertrug der Meister des Scherenschnitts seine „schwarze Kunst“ in 12 filigran gearbeitete Holzschnitte und es lohnt sich unter anderem, den schnörkelhaftem Zierrat unter jeder Szene genauer zu betrachten, stecken hier doch allerlei Hinweise vom Pentagramm bis zum kitschigen Herz. Exzellente Einzelwerke, darunter Blätter von Rembrandt und Slevogt, ergänzen die Zyklen. Und falls ein Besucher doch noch bei Goethe nachlesen will: In der Ausstellung liegt eine Faust-Ausgabe bereit.

www.kunsthalle-kiel.de

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