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Eine Krankheit unserer Zeit

Premiere im Studio Eine Krankheit unserer Zeit

Hoffnungslos überfordert, drohen die drei Sozialarbeiterinnen im Jugendamt in den Papierfluten zu ertrinken. Felicia Zellers "Kaspar Häuser Meer", 2008 geschrieben, erzählt von denen, die helfen sollen, das Unglück von Kindern zu verhindern und sich im Dickicht der Bürokratie verlieren.

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Spiel mit den Brüchen: Regisseurin Kristin Trosits (links) und Ausstatterin Nina Sievers.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Ihre Schreibtische ächzen unter der Last unbearbeiteter Akten, hinter jedem Papierstapel verbirgt sich ein Kinderschicksal. Und jetzt ist auch noch der Kollege krank, sein Burn-out beschert Barbara, Anika und Silvia 104 weitere Fälle. Der Ton dieses sorgfältig getakteten Stückes über die Betreuer am Rande des Nervenzusammenbruchs schwankt zwischen bitterem Ernst und groteskem Witz – eine Gratwanderung, der Kristin Trosits sich gestellt hat. Am Sonntag ist Premiere im Studio.

„Ich weiß, dass man nicht in das Fettnäpfchen treten darf, zu lustig zu werden“, so die Regisseurin, die an gleicher Stelle zuletzt die Uraufführung von Jens Raschkes "Hamsterblut" inszenierte: „Alle Szenen haben einen Kipp-Punkt vom Komischen ins Tragische, den darf man nicht verpassen.“

Wie die Autorin spielt Trosits mit Brüchen. Ausstatterin Nina Sievers hat dazu ein abstraktes Bühnenbild erdacht, durch das Pina Bergemann (Anika) , Claudia Friebel (Silvia) und Helen Dorn (Barbara) auf besondere Weise in Bewegung geraten. „Die komischen Szenen haben meist mit der Büroarbeit zu tun und das Lachen entsteht durch die Art, wie die Fälle beschrieben werden. Die Darstellerinnen springen immer wieder in andere Figuren hinein, dadurch entsteht ein oft absurder Witz.“

Ein Stärke des Textes sieht Kristin Trosits auch darin, dass das Bild dieser Arbeitssituation auf andere Bereiche übertragbar ist. „Das ist so eine Krankheit unserer Zeit. Mancher könnte in der dargestellten Situation seinen eigenen Arbeitsbereich erkennen.“

Studio im Schauspielhaus. Premiere am Sonntag, 8.10., 19.30 Uhr. Karten: Tel. 0431 / 901901. www.theater-kiel.de

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