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Kliesers hart erarbeitete Horn-Perfektion

Bernstein Award Kliesers hart erarbeitete Horn-Perfektion

Fußnoten heißt seine früh geschriebene Autobiografie, „ein Hornist ohne Arme erobert die Welt“ der Untertitel. Jetzt wird dem offenbar auch noch humorbegabten Ausnahmemusiker beim Schleswig-Holstein Musik Festival der Leonard Bernstein Award 2016 zugesprochen.

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Immer noch aufstehen und singen

Für die Jury ein begnadeter Virtuose: Felix Klieser.

Quelle: MAIKE HELBIG

Lübeck. Die Stifter der Sparkassen-Finanzgruppe müssen sich dabei keine Sorgen machen: Felix Klieser hat die Musikwelt ebensosehr „im Griff“ wie sein Instrument, das Horn. Es trifft den Richtigen – und das auch ganz ohne Bonus für einen Menschen mit Behinderung, der die Ventile seiner in einem Stativ aufgehängten „Glücksspirale“ notgedrungen, aber ohne Aufhebens mit den Füßen spielen muss. Denn Zuhören genügt für die Wertschätzung. Beide Berlin-Classics-CDs, das Debüt-Album zum romantischen Horn und zuletzt die quicklebendige Aufnahme von Konzerten der Haydn-Brüder, rechtfertigen schon allein den aktuellen Echo-Klassik-Preis als „Nachwuchskünstler des Jahres“.

 Felix Klieser soll trotz seines Handicaps schon als Vierjähriger keinen Zweifel daran gelassen haben, welches Instrument er erlernen wollte. Der 1991 in Göttingen geborene ehemalige Student der Hochschule für Musik und Theater in Hannover gilt als extrem fleißig beim Üben. Was ihn antreibe, sei das Streben nach Perfektion, die Suche nach dem „Augenblick, in dem einfach alles passt“, schreibt er. „Ein Moment der Einheit, schwer zu finden, noch schwerer zu beschreiben. Als würde ich einem riesigen Puzzle das allerletzte fehlende Teilchen hinzufügen, um dann einen Schritt zurückzutreten und vor nahtloser Schönheit zu stehen.“ Das Publikum zu berühren, mit einer gelungenen Interpretation „die Menschen in einem vollen Saal zum Toben“ zu bringen, sei Antriebsfeder. „Ich bin nicht wahnsinnig talentiert, sondern überzeugt, dass man sich alles hart erarbeiten muss. Ich versuche aus jedem Tag das Maximum herauszuholen – alle großen Solisten sind hart arbeitende Menschen“ so Kliesers Credo. An seinem vielfarbigen Hornton hat er lange getüftelt. Inzwischen kann er eine beachtliche Palette abrufen.

 Beim Bernstein Award folgt er einer langen Liste von Stars wie Lang Lang, Lisa Batiashvili, Kit Armstrong, Alisa Weilerstein, Martin Grubinger und zuletzt dem Dirigenten Krysztof Urbanski. Der mit 10000 Euro dotierte Preis wird am 14. Juli im Foyer der Lübecker Musikhalle verliehen. Klieser spielt dann passend zum Komponistenschwerpunkt Haydns D-Dur-Hornkonzert mit dem Festivalorchester unter Michael Sanderling.

 www.shmf.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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