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„Wir sind jung, bis wir sterben müssen“

Herbert Herrmann „Wir sind jung, bis wir sterben müssen“

Der einstige Fernseh- und heutige Privattheaterstar Herbert Herrmann wird 75. Doch darum macht er sich keine Gedanken, sondern genießt das Leben aus vollen Zügen.

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„Wir sind doch jung, bis wir sterben müssen“, sagt Herbert Herrmann.

Quelle: Horst Ossinger/dpa

Hamburg. „Herbert Herrmann: Deutschlands schönste Rampensau“, titelte unlängst eine Berliner Zeitung. Und ehrte damit einen Schauspieler, der – von scheinbar ewig jungenhafter Attraktivität und Fitness - als Boulevardkomödienheld sein Publikum republikweit begeistert. Als inzwischen wohl letztes echtes Zugpferd des privaten Unterhaltungstheaters sorgt der geborene Schweizer Herrmann seit Jahrzehnten für volle Häuser. Immer lebensfroh und witzig, charmant und schick. In Stücken, die „Chérie, mein Mann kommt“, „Hosenflattern“, „Ein seltsames Paar“ oder auch „Vier linke Hände“ heißen. Seit dem 7. Juni ist der Star 75 – und mag dem Alter nach wie vor die stets sonnengebräunte Stirn bieten.

„Wir sind doch jung, bis wir sterben müssen“, sagt Herrmann am Telefon. „Alle kommen in die Jahre – warum sollte ich mir Gedanken machen? Ich versuche, ein bisschen auf mich zu halten, anständig zu leben und anständig meinen Beruf auszuüben.“ Ein allmorgendliches Gymnastikprogramm von 45 Minuten sei dabei ein wichtiger Faktor.

Derzeit gastiert der Schauspieler mit seiner Lebensgefährtin und Bühnen-Dauerpartnerin Nora von Collande (58, ZDF-„Forsthaus Falkenau“) in Düsseldorf. In seiner eigenen Inszenierung von Gérald Sibleyras’ Beziehungskomödie „Anderthalb Stunden zu spät“ gibt er einen verheirateten Erfolgsmenschen vor dem Ruhestand – und schlägt facettenreiche, durchaus ernstere Töne an. „Das hat aber nichts mit meinem Alter zu tun. Wir haben einfach keine Lust mehr auf oberflächliche Komödien. Und auch die Zuschauer wollen Geschichten mit Inhalt erzählt bekommen, bei denen etwas zum Nachdenken bleibt“, erklärt der Bühnenmann, der in seiner Jugend linkspolitisch engagiert war.

Privat habe er sich in Düsseldorf gerade eine weiße Vespa gekauft. Auf ihr mit Nora in St. Tropez an den Hafen zu knattern, sei ein Sommerferienprojekt, auf das er sich freue. In Südfrankreich besitzt von Collande ein Appartement. Reisen, auch zu Herrmanns Haus auf Mallorca, Wandern an seinem Erstwohnsitz Grindelwald in der Schweiz, Rollerblade fahren, Kunst anschauen, gut essen, mit Lust Kleidung auswählen, die leger-elegant und jung wirkt: All das sind Daseinsgenüsse, dem sich das hoch disziplinierte Profi-Paar in seiner Freizeit verschreibt.

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Im Fernsehen macht sich der Akteur - obwohl Angebote kämen - rar. Seit 1975 hatte der gelernte Schriftsetzer nach seinem Schauspielstudium dort Erfolge gefeiert. Dank Serien wie „Ich heirate eine Familie“ mit Peter Weck und Thekla Carola Wied (ZDF, 1983-1986) wurde Herrmann populär. „Ich habe auch viele Schrottfilme gedreht. War immer nur der Liebhaber, das will ich nicht mehr, das ist furchtbar“, sagt der Vater von drei Kindern aus früheren Verbindungen, etwa mit Kollegin Susanne Uhlen (61).

Basis seiner fulminanten Bühnenkarriere bildet die seit 1972 bestehende Zusammenarbeit mit der Berliner Theaterfamilie Wölffer. In deren Imperium – zwei Häuser am Kurfürstendamm, die Hamburger Komödie Winterhuder Fährhaus und ein Tourneeunternehmen - agiert Herrmann jedoch nicht nur als Hauptdarsteller und Regisseur.

Längst genießt er das Privileg, seine Stücke aussuchen zu dürfen. Daher fährt er mit seiner Partnerin oft für Entdeckungen nach Paris, veranlasst Übersetzungen. „Die Franzosen sind im Moment sehr weit vorn mit Komödien“, erklärt der Künstler. So gestaltet er seine Bühnenauftritte umfassend, wobei von Collande die Kostüme verantwortet.

Ein wenig Botschaft zum Umgang mit den reifen Jahren steckt in diesen neueren Komödien dann aber doch. „Wir möchten gern liebevolle Anstöße geben, wie man älter werden kann, ohne immer nur zu verzichten“, sagt Herrmann, „dem Publikum quasi ein bisschen Fantasie mit auf den Weg geben. Das mögen die alten Herrschaften – und die Jüngeren amüsieren sich, was auf sie zukommt.“ Als sein nächster Pariser Fund feiert Sébastien Thiérys „Als ob es regnen würde“ am 9. Oktober in Berlin deutschsprachige Erstaufführung – ein Spaß über Gier und Geld.

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