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Geordnetes Chaos mit Landgren und Lindberg

Festivalorchester Geordnetes Chaos mit Landgren und Lindberg

Von Nils Landgren zu Theodor Adorno ist es eigentlich ein großer Schritt. Aber irgendwann im Laufe des Auftritts des schwedischen Posaunisten mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchester kommt einem am Donnerstag die Minima Moralia des Philosophen in den Sinn: „Aufgabe von Kunst ist es heute, Chaos in die Ordnung zu bringen“, heißt es dort.

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Entfesselte Posaunisten: Nils Landgren (re.) und Christian Lindberg mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchester.

Quelle: Axel Nickolaus

Sonderburg. Und wenn man in der zweiten Konzerthälfte erlebt, wie Landgren und sein Kollege Christian Lindberg Fredrik Högbergs Konzert für zwei Posaunen und Kammerorchester umsetzen, dann geht das Ergebnis durchaus in diese Richtung. Während das Orchester ein multistilistisches Durcheinander entfacht, singen, rappen und tanzen die beiden Solisten, vollführen an ihren Instrumenten sonderbare Kunststücke, die darin gipfeln, dass der eine den Zug des anderen bedient und umgekehrt. Zwischendurch glänzt das Werk durch maßgeschneiderte virtuose und lyrische Soloparts für zwei der bedeutendsten Posaunisten Skandinaviens, die ihr jeweiliges Ausdrucksspektrum darin beeindruckend frei entfalten. Das Publikum im gut besuchten Sonderburger Koncertsalen Alsion reißt es prompt von den Sitzen und auch dem SHFO hat dieser musikalische Spaß weit jenseits der ernsten Musik ganz offensichtlich gefallen.

 Nicht ganz so wild, aber ebenfalls ungemein vielfarbig präsentieren die beiden Musiker schon zuvor die Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit mit dem Festivalorchester. Auch in Lindbergs eröffnend aufgeführtem Orchesterstück Peking Twilight spielt der Komponist mit allen möglichen Stilen, so dass die von ihm souverän dirigierte Aufführung einem Wechselbad der Stimmungen und Klangfarben gleicht. Ferdinand Davids Concertino für Posaune Es-Dur op. 4 interpretieren die Posaunisten dann im Doppel, wechseln sich als Solisten und Dirigenten ab und gestalten die Kadenzen ganz nach Gusto. Das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen, auch wenn Landgren an seinem Instrument hier ungewohnt beherrscht wirkt und seine Schlagtechnik als Maestro eher an James Last als an klassischen Vorbildern geschult zu haben scheint.

 Gewohnt stilsicher und inspiriert wirkt er dagegen in dem Folklore-Stück Kristallen, Bengt-Arne Wallins The Farewell und Don Sebeskys You Can’t go Home Again. Hier ist es eher das SHFO, das in seiner Rolle als swingendes Begleitorchester mitunter noch etwas steif wirkt – was seinen entfesselten Einsatz im Finale dafür umso eindrucksvoller wirken lässt.

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