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Krach an Eutins Grünem Hügel: Zu viel Schwung?

Festspiele Krach an Eutins Grünem Hügel: Zu viel Schwung?

In Bayreuth läuft der Zwist (traditionell) im Vorfeld, auf Eutins Grünem Hügel verhageln umstrittene Beschlüsse die 65. Festspielzeit. Hier wie da geht es nicht um Kunst allein, wohl aber um Harmonie und Dissonanzen. Zwischen den beiden Saisonpremieren trafen diejenigen Herren, die vor vier Jahren die Eutiner Festspiele beherzt vor der drohenden Insolvenz gerettet haben, eine knappe Mehrheitsentscheidung, die nun ihre eigene Aufbauarbeit zu gefährden droht.

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Man schätzt sich in Eutin: Intendantin Dominique Caron (links) und Geschäftsführerin Sabine Kuhnert.

Quelle: Orly Schekahn

Eutin. Dabei klingt der (auch formal umstrittene) Beschluss als solcher erstmal recht harmlos: Man will einen Jahresvertrag nicht verlängern. Allerdings geht es hier um den Posten der Geschäftsführerin. Sie ist bei einigen Mitgliedern des Aufsicht führenden Beirates, bei einigen Gesellschaftern der Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) und womöglich auch bei künftigen Gesellschaftern in Ungnade gefallen. Nun ist von neuen Strukturen, auch neuen Kapitalgebern die Rede. Nicht von neuen Namen.

Die Brisanz liegt schlicht darin, dass Geschäftsführerin Sabine Kuhnert, Eutinerin mit internationaler Wirtschaftserfahrung, innerhalb des Führungstrios mit Intendantin Dominique Caron und dem Technischen Direktor Arend Knoop großes Vertrauen genießt. Sie setzt auf Transparenz, ja, auch klare Worte und macht offenbar gute Arbeit. Eigentlich will man in diesem Team nicht ohne sie. Und sie will eigentlich auch bleiben. Folglich ist die Stimmung mies. Der Technische Leiter, als Geldgeber pikanterweise auch im Beirat vertreten (und knapp überstimmt), macht seine Zukunft gar von der brisanten Personalie abhängig. Für die Sache entflammt, engagiert sich der Autohändler ehrenamtlich für die Festspiele, steuert dazu auch noch Gerät und Räume kostenlos bei. Es würde teuer ohne ihn... Nun ist das Schlamassel da. Ausgerechnet vor der 66. Spielzeit, die so wichtig wie kaum eine andere ist. Denn 2016 ist Landesgartenschau in Eutin. Freischütz, Carmen, Vogelhändler: Das Programm ist umfassend, Synergien sind wertvoll, es lockt zusätzliches Geld. Alles muss gut geplant und verhandelt sein. Und ist auch schon eingefädelt.

Eher provinziell als professionell?

Der Beirat, die Gesellschafter, werden ihre Gründe für die Nichtverlängerung haben. Vieles spricht dafür, dass sie weniger im strukturellem als im zwischenmenschlichen Bereich liegen. Was eher provinziell als professionell anmutet. Die mittlerweile dritte Geschäftsführerin, mit viel Lob ins Amt gehoben, füllt es mit großem Elan und womöglich ungewohnter Forschheit aus. „Ich weiß, dass sie das kann“, hatte WVE-Vorsitzender Klaus Hoth zur Einführung im November geschwärmt. Ihre Mitstreiter an der Spitze der Festspiele (Budget: rund 1,5 Millionen Euro) sind noch immer der Auffassung, dass sie es kann. Und beharren darauf. Die Geldgeber, so scheint es ihnen, erhöhen die Risiken, bevor sie neue Risikokapitalgeber suchen.

Alternativ müssten sie vertrauen. Zuvorderst ihrer feinfühligen Intendantin, deren Wirken die neuen Eutiner Festspiele entscheidend zum Erfolg geführt hat. Sie wurde bislang nicht eingebunden. Es ist gefährlich spät zum Reden, aber bekanntlich nie zu spät. Werden sich die Akteure in Eutin nicht einig, wäre das weit schlimmer als eine verregnete Vorstellung. Auch wenn's für heute Abend ganz gut aussieht, könnte das Wetter-Problem in diesem Sommer noch obendrauf kommen.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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Eutiner Festspiele
Foto: Gute Zusammenarbeit: Intendantin Dominique Caron (links) und Geschäftsführerin Sabine Kuhnert.

Vor den Kulissen gibt’s viel Beifall, dahinter gärt es: Der vom alleinigen Gesellschafter Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) eingesetzte Beirat der Eutiner Festspiele hat zwischen Aida und Vogelhändler mit knapper Mehrheit beschlossen, den Jahresvertrag mit der erst seit November 2014 resolut agierenden Geschäftsführerin Sabine Kuhnert nicht über September 2015 hinaus zu verlängern: Man wolle den Weg offenhalten für neue Strukturen mit neuen Gesellschaftern.

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