17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Entdeckerlust und heimatliche Bezüge

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern Entdeckerlust und heimatliche Bezüge

Gut zwei Wochen vor dem SHMF sind die Festspiele Mecklenburg- Vorpommern in ihre 26. Saison gestartet. 133 Konzerte und 25 Begleitprogramme stehen in den kommenden drei Monaten in landesweit 74 Spielstätten jenseits der Metropolen auf dem Programm.

Voriger Artikel
"Harry Potter" erscheint am 24. September
Nächster Artikel
Abschied vom Zinn-Willkomm

Anspruchsvoller Auftakt: Geigerin Vilde Frang und Dirigent Sakari Oramo in Wismars Georgenkirche.

Quelle: Geert Maciejewski

Very british war der Auftakt mit Benjamin Brittens Violinkonzert und Edward Elgars 1. Sinfonie, mit dem renommierten Chefdirigenten des BBC-Symphony Orchestra, Sakari Oramo, in Wismars Georgenkirche und tags darauf mit Stargeiger Nigel Kennedy („…plays Jimi Hendrix“) im Schlosspark Fleesensee. Zugleich war er alles andere als distinguiert. Die Festspiele wollen festlich und familiär sein und zu vielfältigen musikalischen Entdeckungen im ganzen Land ermuntern. So ließ sich das Publikum auch für das anspruchsvolle Auftaktprogramm begeistern, das das NDR Elbphilharmonie Orchester bereits tags zuvor in Hamburg gespielt hatte. Mit der jungen norwegischen Geigerin Vilde Frang führten die Festspiele ihre aktuelle Preisträgerin in Residence ein. Sie wird im Sommer 17 Konzerte prägen – eine unprätentiöse, wandlungsfähige Künstlerin, die das Publikum mit fragilem Wohlklang wie glühender Virtuosität fesselte.

Catherine Millikens Festspiel-Ouvertüre Wismar-Soundscapes setzte die Tradition einer regional geprägten Auftragskomposition fort: Die in Berlin lebende Australierin ließ sich vom Geläut der Kirchenglocken inspirieren und erweiterte deren konservierte, zeitweise verfremdete Klangwelten durch ein siebenköpfiges Blechbläserensemble der Jungen Norddeutschen Philharmonie – eine Klangcollage, die erneut den monumentalen, akustisch mittlerweile nachgebesserten Kirchenraum eindrucksvoll einbezieht.

Heimat als roter Faden

Heimatliche Bezüge sind ein roter Faden im Programmangebot auch dieser Saison: So erinnert das Musikfest Wismar am 25. Juni an das 1. Mecklenburgische Musikfest von 1816. Seinerzeit wurde es stark mit inspiriert durch den Oboe spielenden Bürgermeister Karl von Breitenstern und gekrönt von Jospeh Haydns Schöpfung als bürgerliches Mitsingkonzert. Heute wird es mit Aufführungen in der ganzen Stadt, u.a. moderiert vom Oboe spielenden und im Chor singenden Bürgermeister Thomas Beyer und erneut mit einer Schöpfung mit zeitgenössischen Einschüben Rostocker Kompositionsstudenten, in die Gegenwart geholt.

Intendant Markus Fein ist regionalgeschichtlich tief eingetaucht und richtet darüber hinaus den Blick nach vorn bis ins Jahr 2216… Auch beim „Pavillon der Moderne“ mit Kent Nagano Ende August in Ulrichshusen ist Aufgeschlossenheit für Raritäten und interdisziplinäres Denken gefragt. Das gilt ebenso für die Weltmusik der „Greetings to the Universe“ zum Weltkulturfest im Schweriner Residenzensemble: Beethoven zwischen mongolischem Steppengesang und Indianermusik. Dazu passt die stete Suche nach bis dato „unerhörten Orten“, wie diesmal eine riesige ehemalige Trabi-Instandsetzungshalle in Schwerin, ein (Strand-)Korbwerk in Heringsdorf oder auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Neustrelitz.

Der Vorverkauf, derzeit zehn Prozent über dem Rekord-Vorjahreswert, untermauert die Entdeckerfreude des Intendanten und sein Bestreben, eben diese auf Publikum zu übertragen. Markus Fein geht voller Zuversicht in seine dritte Saison mit großen Namen wie Hélène Grimaud, Sol Gabetta, Daniel Hope und Christoph Eschenbach. Auch der reibungslose Wechsel von Mercedes auf BMW im Kreis der Hauptsponsoren ist eine Kursbestätigung für Deutschlands drittgrößtes, dabei nur zu sieben Prozent öffentlich gefördertes Klassikfestival.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

Mehr zum Artikel
Opernfestival
Foto: Bei den Eutiner Festspielen blickt man zuversichtlich in die Zukunft.

In zwei Tagen beginnen auf dem Grünem Hügel die Proben für den Freischütz. Bei aller spürbaren Vorfreude hat Intendantin Dominique Caron auch schon die kommende, die 67. Saison der Eutiner Festspiele im Blick. Früh wie nie wurde am Freitag in der Opernscheune das Programm 2017 bekanntgegeben. Neben Johann Strauß’ Operette Die Fledermaus mit einem bunten Maskenball zum Auftakt kommt wie bereits im Jahr 2005 die bewährt wirkungsvolle Operneinakter-Kombination Cavalleria Rusticana (Pietro Mascagni) und Der Bajazzo (Ruggero Leoncavallo) auf die Naturbühne.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3