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Düstere Dynamik durchleuchtet

Chin Meyer im Lutterbeker Düstere Dynamik durchleuchtet

„I need a dollar dollar, a dollar is what I need, hey hey.“ Der Radio-Dauerbrenner von Aloe Blacc war bei der Vorpremiere von Chin Meyers neuem Programm „Macht! Geld! Sexy!“ am Freitag im gut besuchten Lutterbeker der ultimative Running Gag.

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Gesellschaftlicher Rundumschlag: Chin Meyer bei seiner Vorpremiere im Lutterbeker.

Quelle: bos: Björn Schaller

Lutterbek. Immer, wenn der Finanz-Kabarettist eine neue seiner zuweilen durchaus hellsichtigen Volten schlug, um den Zuschauern die Merkwürdigkeiten, Klippen und Strömungen des Geldflusses auf den nationalen und internationalen Märkten vor Augen zu führen, kam die Strophe als strukturgebendes Mittel zum Einsatz. Herr Meyer zog einen Geldschein aus der Tasche und Pianist Herr (Claus Dieter) Bandorf steckte ihn ein. Er ist ein lustiger, musikalisch sehr versierten Tastenstreicher, der zwischenzeitlich sogar in Darth-Vader-Maske auftrat, um als Reflex auf die Diktatur der Finanzwelt den legendären Imperial March aus Star Wars zu spielen. So weit ok.

 In verschiedenen Maskeraden und geschlagene zwei Stunden lang lieferte der als Christian Meyer in Hamburg geborene Chin Meyer einen gesellschaftlichen Rundumschlag, der sich im Wesentlichen aber natürlich auf die Geheimnisse unserer Konten und Portemonnaies bezog.

 Ob Leerverkäufe, Hedge Fonds, Social Marketing oder das üble deutsche Steuersystem (musikalisch treffend umgesetzt zu Joe Cockers You Can Leave Your Hat On): Chin Meyer erklärte uns, wie und warum es mit dem Schotter zuweilen (schief-) läuft . Zweifelsohne gelingt dem Künstler mit einem scharfen Messer den Busch des Finanzwesens zu lichten und dessen düstere Dynamik zu offenbaren. Ja, ja, denkt man. Recht hat er, meint man. Geschickt legt der Kabarettist den Finger auf die Wunde und klagt an. Sein Witz ist klug, oft scharf, aber nicht immer würzig. Es fehlt der Körper. Wie bei einem guten Wein, der zwar hervorragend schmeckt, aber darüber hinaus nichts offenbart. Auch der Zusammenhang von Sex und Geld bzw. Erotik und Macht – und sei er noch so kunstvoll erörtert – haut nicht mehr Jeden aus den Latschen. Meyer will das schnelle Tor, die frühe Führung. Die Nummer Skandal um Draghi (Präsident der Europäischen Zentralbank) auf dem Trittbrett des Spider Murphy Gang Klassikers Skandal im Sperrbezirk mag dafür vielleicht als Beispiel gelten.

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