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Museumsberg erforscht eigene Geschichte Nordisches Volk

Die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus hat sich der Flensburger Museumsberg vorgenommen: Unter dem Titel [un]beteiligt. Kunst im Dritten Reich: Aus der Sammlung des Museumsbergs Flensburg beleuchtet die Kuratorin die regimefreundliche Ausstellungspolitik von Fritz Fuglsang. 1927 bis 1961 Direktor auf dem Museumsberg, nutzte er sein Haus als Multiplikator für Künstler, die als Mitglieder der Reichskammer der Bildenden Künste linientreu waren.

Flensburg. Das überlebensgroße Hitler-Porträt, 1941 gemalt von Käthe Lassen für die Schalterhalle der Kreditbank Flensburg, ist aus dem Rahmen genommen und liegt quer am Boden. Daneben steht ähnlich beiläufig und ohne Sockel Arno Brekers bronzene Hitler-Büste, um den Hals einen Zettel mit der Inventarnummer des Museumsbergs Flensburg. Man hat sich sichtbar Gedanken um die Inszenierung dieser heiklen Exponate gemacht, zu denen sich noch ein Göring-Porträt gesellt, gezeichnet von Alexander Friedrich. „Wir wollen vermeiden, dass eventuell Selfies mit Adolf aufgenommen werden“, sagt Michael Fuhr.

 Die unrestauriert präsentierten Arbeiten fristeten bis dato ein Schattendasein tief im Depot der Sammlung, wo sie eigentlich auch bleiben sollten. Für die Dauer einer Ausstellung sind sie aufgetaucht, denn Maria Migawa, die wie ihre Vorgänger zum Ende ihres Volontariats ein Thema für eine Schau wählen durfte, entschied sich für die Aufarbeitung der Geschichte des Museumsberges während der Zeit des Nationalsozialismus. Unter dem Titel [un]beteiligt. Kunst im Dritten Reich: Aus der Sammlung des Museumsbergs Flensburg beleuchtet die Kuratorin die regimefreundliche Ausstellungspolitik von Fritz Fuglsang. 1927 bis 1961 Direktor auf dem Museumsberg, nutzte er sein Haus als Multiplikator für Künstler, die als Mitglieder der Reichskammer der Bildenden Künste linientreu waren.

 „Was ist Nazi-Kunst? Wir erzählen nicht eine Kunstgeschichte des Dritten Reiches, weil es sie nicht gibt“, so die Kuratorin. „Wir erzählen viele Geschichten. Um die zu verstehen, muss man die Hintergründe kennen.“ Ihre Bildauswahl spannt einen weiten Bogen vom Anfang des 20. Jahrhundert bis in die 40-er Jahre – auch, um die Brüche zu zeigen, die manch künstlerisches Werk mit Beginn der 30-er Jahre nimmt. Bis mit der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 in München der Richtungsstreit zwischen der expressionistisch modernen und der rückwärtsgewandt traditionellen „Heimatkunst“ entschieden war, zählten Künstler wie Alexander Friedrich und Hans Holtorf mit ihren kraftvollen expressionistischen Arbeiten zur Avantgarde. Danach passten sie sich an – der eine vornehmlich mit Kupferstichen zu architektonischen Themen, der andere mit nichtssagenden Landschaftsbildern.

 Und so erscheinen nicht wenige Exponate ohne den inhaltlichen Kontext der Schau beliebig bis banal: Bilder von Warften und Windmühlen unter norddeutschem Himmel, eine Friesin in Tracht – niemand würde an diesen Motiven Anstoß nehmen. Vor dem Hintergrund des aufkeimenden Nationalsozialismus und später des drohenden Krieges bekommen sie bitteren Beigeschmack, darunter Magnus Weidemanns Biikefeuer auf Keitum (1938), das mit lodernder Glut das „Nordische“ beschwört oder Franz Frahm-Hesslers Landschaft mit Regenbogen (1938), in dem vom Himmelsblau verdrängte Regenwolken besserer Zeiten verheißen. Ein inhaltlich trauriger Höhepunkt der von ausführlichen Begleittexten gestützten Schau ist wohl Gerhard Fritz Hensels Porträt Die Rumänin (1944), deren „rassische Merkmale“ handschriftlich auf ihrer Stirn notiert sind.

 Den künstlerischen Tiefpunkt markiert ein großformatiges Porträt zweier Schäferhunde. Das Gemälde der grob skizzierten Symbole deutscher Wachsamkeit, gemalt von Käthe Lassen 1935 für das Gestapo-Hauptquartier in Flensburg, hing laut Michael Fuhr bis vor einem halben Jahr „am selben Nagel“ – in der heutigen Polizeidirektion der Stadt.

www.museumsberg.de

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